Transentanz im Tallinn

 

Nach der Transsexuellen Dana International
nun das Travestie-Trio Sestre beim Grand Prix
Von Torsten Bless


Sestre stöckeln als Stewardessen auf die Bühne (Foto: Sestre)


Miss Marlena, Daphne und Emperatrizz schockten bereits beim Grand-Prix-Vorentscheid, den EMA-Awards, am 16. Februar die versammelte slowenische Schlager-Prominenz. Gewandet in rote Stewardessen-Outfits schlugen die drei offen schwulen Schwestern (so der Gruppenname übersetzt) mit dem Lied "Samo ljubezen" ("Nur die Liebe") ihre zehn MitbewerberInnen aus dem Feld. Nicht zum ersten Mal macht die Community beim europäischen Schlagerwettbewerb von sich reden. Zuvor gab es offen schwule Interpreten, wie 1997 den Isländer Paul Oscar und mit der israelischen Siegerin von 1998, Dana International, eine Transgender-Frau. Doch zu einem Travestie-Trio hatte es der Grand Prix noch nie gebracht.

Der Zwei-Millionen-Staat mit seinen 95 Prozent KatholikInnen als liberales Vorbild, gar Avantgarde? "Slowenien ist sehr klein, aber fein, wir haben einen Club namens Tiffany, eine Sauna, unsere Szene ist in ganz Ex-Jugoslawien bekannt, auch aus Österreich und Italien kommen Gäste", erzählt Miss Marlena (im wahren Leben Tomas Mihelic). Gut, in der Öffentlichkeit Händchen halten oder sich küssen könne man nicht, aber es lebe sich nicht schlecht im Land. Ein nicht ganz so rosiges Bild malt eine im Juni 2001 von SKUC-LL veröffentlichte Untersuchung: Von 172 Befragten hatte fast jede(r) zweite Bekanntschaft mit anti-schwuler/anti-lesbischer Gewalt machen müssen, 60 Prozent der Opfer von Übergriffen gar mehr als einmal. Sieben Prozent der Befragten berichteten, ihnen sei geraten worden, sich wegen ihrer Homosexualität in psychiatrische Behandlung zu begeben. Viele entgingen einer Diskriminierung nur, weil sie sich gar nicht erst outeten. "Am drastischsten unterstreicht die Tatsache, dass ein Drittel der Befragten wegen der sexuellen Orientierung ernsthaft darüber nachdenkt, das Land zu verlassen, die Wirkung, die Diskriminierung und Homophobie auf das Leben von Lesben, Schwulen und Bisexuellen im gegenwärtigen Slowenien haben", so die Autorinnen der Studie, Nataša Velikonja und Tatjana Greif.

Quelle: www.justbegay.de

 


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