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Prof. Dr. Sohn schreibt in "Psycho 24" (1998, Sonderausgabe):
"Transsexualität ist die schwerste Form der Geschlechtsidentitätsstörungen.
Der Ursprung des Transsexualismus ist noch immer ungeklärt und Gegenstand
teils heftiger Kontroversen innerhalb der medizinischen Fakultäten.
Nichtsdestotrotz besteht Einigkeit darüber, dass es sich hier um
ein gravierendes Störungsbild mit Krankheitswert handelt. Psychotherapeutische
Behandlungsversuche zur Rückführung der Geschlechtsidentität
auf das Geburtsgeschlecht scheitern regelmäßig, so dass bei
gesicherter Diagnose die operative und hormonelle Geschlechtsumwandlung
letztlich die einzige Maßnahme darstellt, um den Patienten ein ausgeglichenes
Leben in Selbstidentifikation zu ermöglichen."
Nach "J. Bancroft" ist die sexuelle Identität ein wichtiger
Bestandteil der allgemeinen und persönlichen Identität und des
Selbstbildes, die deshalb stabil sein muß, um das Wohlbefinden eines
Menschen sicher zu stellen. Er sieht es daher als sehr belastend an, wenn
man nicht weiß welche Art von Mensch man eigentlich ist.
Noch belastender wird die Situation jedoch, wenn man begriffen hat, dass
Körper und Geist nicht miteinander harmonieren.
Da diese Belastungen ein krankheitswerter Zustand sind, hat die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) in den International Classifikations of Diseases ICD 10, Transsexualität
unter der Kennung F 64 als behandlungswerte Krankheit eingestuft. (F 64.0
=.Erkennen der Störung in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter,
F 64.2 =Störung bereits im Kindesalter erkannt.)
Transsexualität, (intensiver Wunsch und die Überzeugung dem
anderen Geschlecht anzugehören.)
Das Wort vermittelt den Eindruck als handle es sich dabei um eine sexuelle
Spielart. Es läßt im unbedarften Mitmenschen die Vorstellung
aufkommen, der/die Betroffene fände mit der "Lust auf das andere
Geschlecht" eine sexuelle Alternative, lebe damit eine "Perversion"
aus.
Diese Betrachtungsweise ist jedoch zu oberflächlich, vermittelt ein
vollkommen falsches Bild und führt zu den allgemein bekannten Missverständnissen.
Als Transsexualität wird die Diskrepanz zwischen biologischem (physischem)
Geschlecht und dem subjektiv empfundenen psychischen Geschlecht bezeichnet.
Eine biologische Frau empfindet wie ein Mann = transsexueller Mann (FzM)
und ein biologischer Mann empfindet wie eine Frau = transsexuelle Frau
(MzF), und beide wollen entsprechend ihrer Empfindung leben, angenommen,
akzeptiert und respektiert werden und natürlich auch entsprechend
aussehen. Sie wünschen sich einen ihrem Empfinden gemäß
gestalteten Körper und möglichst auch die entsprechende Physiognomie
des psychischen Geschlechts.
Dazu gehört für eine transsexuelle Frau (MzF) nicht nur Busen
und Vagina oder für den transsexuellen Mann (FzM) die flache, möglichst
behaarte Brust, der Bart und unter Umständen ein Penis. Es gehört
ebenso auch die entsprechend feminine oder maskuline Kleidung dazu, also
das Tragen der Kleidung des Wunschgeschlechtes.
Trotz vielfacher (leider oft zu reisserischer und verzerrender) Aufklärung
durch die Medien in der heutigen Zeit bestehen immer noch viele Irrtümer
und falsche Annahmen, die es gilt auszuräumen, da sie die wahren
Gründe für das Verhalten der Transsexuellen (TS) verschleiern.
Um das Wesen der Transsexualität (TS) deutlich zu machen, muß
erklärt werden was TS nicht ist:
TS ist kein Fetischismus!
Für einen Fetischisten führen Gegenstände, Objekte oder
einzelne Körperteile zu sexuellen Impulsen und Phantasien. Was dabei
als Fetisch dient ist individuell stark unterschiedlich. Es können
Haare, Füße, Reizwäschestücke, Schuhe, Gummi, Leder,
Lack oder die komplette gegengeschlechtliche Kleidung usw. sein.
TS ist kein Transvestitismus (TV)!
Transsexuelle Menschen tragen die Kleidung ihres Wunschgeschlechtes nicht,
um sich einen erotischen "Kick" zu verschaffen, wie es die Mehrzahl
der Transvestiten tut. Auch nicht um damit Aufmerksamkeit zu erregen oder
eine Show zu machen wie es in der künstlerischen Form, der Travestie
der Fall ist. Sie tragen die Kleidung ihres Wunschgeschlechtes wie jede/r
Angehörige des entsprechenden biologischen Geschlechtes auch.
TS ist keine Travestie! Travestie ist eine besondere, künstlerische
Form der Personenimitation. In der weitaus überwiegenden Mehrzahl
werden von homosexuellen Männern weibliche Showstars imitiert. Travestie
ist in den allermeisten Fällen noch nicht einmal mit TV konform,
denn die meisten "Damenimitatoren" sind froh, wenn sie nach
der Vorstellung den "Fummel" wieder ausziehen können.
TS ist keine Spielart der Homosexualität!
Die Betroffenen sind weder Schwule noch Lesben, die mit der Transsexualität
ihre Neigung zur Homosexualität verschleiern wollen. (Auch nicht
dürfen, dies ist ein Ausschlussgrund) Liebt eine transsexuelle Frau
einen Mann, dann ist sie nicht schwul sondern heterosexuell, oder im umgekehrten
Fall; liebt ein transsexueller Mann eine Frau, dann ist er nicht lesbisch.
Heute ist zum Glück allgemein bekannt: Liebe ist eine Sache des
Kopfes und der Kopf steuert den Körper. Doch gibt es auch unter TS
homosexuelle Beziehungen. Liebt eine transsexuelle Frau eine Frau, dann
kann man durchaus von einer lesbischen Beziehung reden, oder von einer
schwulen Beziehung, wenn ein transsexueller Mann einen Mann liebt.
Zugegeben, das klingt vielleicht etwas verwirrend, erscheint jedoch plausible,
wenn man das psychische Geschlecht der betroffenen TS berücksichtigt.
Auch Bi-Sexualität ist wie bei sogenannten "Normalen" eine
Variante der sexuellen Wünsche.
Ist Transsexualität gesellschaftsschädigend?
Nein! Nur ein in sich zufriedener Mensch kann seine volle Arbeitsleistung
erbringen. Deshalb sind die Kosten für die Geschlechtsangleichung
kein unnötig verschwendetes Geld, sondern Investition in die Arbeitskraft
eines Gesellschaftsmitgliedes wie bei jeder anderen Krankheit auch. Das
Recht auf körperliche und geistige Gesundheit muss Transsexuellen
wie allen anderen Menschen auch zugestanden werden.
TS ist keine erotische Spielerei!
Die operative Angleichung an das ersehnte Geschlecht ist letztlich ein
schmerzvoller und langwieriger Prozess, den wohl niemand aus lauter Spaß
an der Freud auf sich nehmen wird. Sie ist einmalig und läßt
sich weder rückgängig machen, noch beliebig oft wiederholen.
Alle Transsexuellen hätten es viel lieber, wenn ihr Körper von
vornherein ihrem Empfinden entspräche und eine angleichende Operation
nicht erforderlich wäre.
Niemand ist freiwillig transsexuell und die Betroffenen legen meist einen
langen, schmerzvollen Weg der Selbsterforschung und -erkenntnis zurück,
bis sie sich schließlich gefunden haben und ihrer Seele zu ihrem
Recht verhelfen. Viele leben aber in Selbstverleugnung, bis zu einem häufig
vorzeitigen, freiwilligen Ende.
Ist Transsexualität ist eine Perversion?
Nein! Ein/e Transsexuelle/r will das Geschlecht nicht angleichen um hierdurch
höheren Lustgewinn zu erzielen. Nicht selten haben Transsexuelle
vor ihrer Geschlechtsangleichung kaum oder keinerlei zwischenmenschlich-geschlechtlichen
Beziehungen und nehmen solche erst nach der Angleichung auf.
TS ist keine Geisteskrankheit!
Transsexuelle sind weder wahnsinnig noch verrückt. Die Diagnose der
Transsexualität ist weder mit Schizophrenie noch mit Paranoia verbunden.
Diese werden ganz im Gegenteil durch die Differenzialdiagnose ausgeschlossen.
Was jedoch nicht ausschließt, dass sich Betroffene im Stadium ihrer
Selbstfindung manchmal wie schizophren empfinden. (Es war, als liefe ich
ständig neben mir selbst her.)
Ist TS eine Krankheit?
Sie ist auf jeden Fall ein Zustand der Krankheitswert besitzt. Eine Heilung
im Sinne von auskurieren gibt es nicht, weder durch psychologische oder
psychiatrische Therapien, noch durch Anti-TS-Pillen oder Gehirnchirurgie.
Der einzige Weg zur "Heilung" ist das offene Leben in der gewünschten
Geschlechtsrolle und die Angleichung an das Wunschgeschlecht.
Dies erfordert jedoch vorab eine tiefgehende Aufarbeitung des bisherigen
Lebens unter psychologischer Begleitung, um eine positivere Einstellung
zu gewinnen und frühere Fehler in der neuen Rolle nicht zu wiederholen.
Desweiteren werden Hormonbehandlungen und aufwendige Operationen erforderlich,
die heute glücklicherweise von den Krankenkassen übernommen
werden.
Ansonsten ist die Transsexualität ebenso wenig krankhaft wie Homosexualität
oder Heterosexualität. Aber auf Grund der bestehenden Gesetzeslage
sind die Betroffenen gezwungen die Pathologisierung hinzunehmen. Transsexualität
ist weder ansteckend noch übertragbar oder vererblich und über
mögliche Ursachen spekulieren nicht nur die Experten. Von pränatalen,
biologischen Faktoren über psychische Ursachen, bis hin zu sozialen
Einflüssen werden alle Möglichkeiten diskutiert.
Transsexualität ist keine Intersexualität!
Bei Transsexualität besteht der eindeutige Unterschied zwischen körperlichem
und geistigem Geschlecht. Bei Intersexualität ist das Geschlecht
nicht eindeutig bestimmbar. Hermaphroditismus, Zwittertum. Bei einem von
rund 2000 neugeborenen Kindern läßt sich das Geschlecht nicht
eindeutig bestimmen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Ausprägungen,
die auf hormonellen oder chromosomalen Ursachen und Abweichungen beruhen
können. Da Eltern und auch Mediziner eine Zweigeschlechtlichkeit
meist nicht akzeptieren können oder wollen, wird leider allzu oft
von Geburt an in die körperliche und emotionale Integrität eingegriffen,
um das Kind als eindeutig männlich oder weiblich aufwachsen zu lassen,
ohne die psychische, geschlechtliche Entwicklung des Kindes abzuwarten.
Nicht selten haben daher intersexuelle Menschen in der Folge die gleichen
Probleme wie die Transsexuellen, können sich auf Grund der Intersexualität
dann jedoch nicht immer auf das TSG und die Standards berufen. Jedoch
ist Intersexualität nicht automatisch ein Ausschlussgrund für
Transsexualität.
TS keine Änderung des Geschlechts
sondern eine Angleichung des Körpers an den psychischen Zustand der
Betroffenen. Was für die Umwelt wie ein Wechsel von einem zum anderen
Geschlecht erscheint, da die psychische Verfassung der Betroffenen nicht
richtig eingeschätzt wird, hat für die TS eine viel tiefer gehende
Bedeutung. Die Transformation bedeutet nicht den Wechsel zum anderen Geschlecht,
sondern die Vervollkommnung des "Ich" fast im Sinne einer Metamorphose.
TS ist keine Modeerscheinung
Wenn sich auch in den letzten Jahren in immer weiter steigenden Zahlen
Transsexuelle zu ihrem seelischen Empfinden bekennen und aus ihrer Isolation
heraustreten, kann doch von einer Modeerscheinung nicht die Rede sein.
Transsexualität lässt sich nicht als zukunftsweisender Trend
vermarkten und die Selbsthilfegruppen haben nicht vor, wie eine Sekte
um Mitglieder zu werben. Das Angebot der Selbsthilfegruppen zur Hilfe
soll auch nur als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden.
TS betrifft Frauen und Männer
Bedingt durch das auffälligere Auftreten transsexueller Frauen (MzF)
schien es zunächst, als betreffe das Problem TS vorwiegend biologische
Männer. Dies ist jedoch nicht der Fall.
Inzwischen musste die Wissenschaft erkennen, dass es annähernd gleich
viele transsexuelle Männer (FzM) wie transsexuelle Frauen (MzF) gibt.
TS ist gar nicht so selten
Die immer weiter fortschreitende Aufklärung der modernen Zeit und
das damit allgemein gestiegene Selbstbewußtsein hat vielen Betroffenen
die Furcht vor der Öffentlichkeit genommen.
Waren es Mitte der Fünfziger Jahre noch wenige hundert Fälle,
so stiegen die Zahlen auf einige Zehntausend bis Ende des vergangenen
Jahrhunderts an. Alleine für die Bundesrepublik wird die Häufigkeit
vom Verfasser auf 0,3-0,4 %o geschätzt und unter Berücksichtigung
einer nicht unwesentlichen Dunkelziffer gar bis über 1 %o.
TS gibt es überall
Es ist nicht zu beweisen, dass es TS nur in Großstädten gibt.
So wie sich dieses Problem in allen Bevölkerungsschichten offenbart,
so zeigt es sich auch in allen Regionen. Egal ob in der Großstadt,
Kleinstadt oder auf dem Land. Da aber das Leben in der Großstadt
anonymer ist und dort scheinbar ein toleranteres Klima herrscht, fühlen
sich viele TS in diese Wohngebiete gezogen und treten dort auch offener
auf.
TS ist nicht auf das Rotlichtmilieu beschränkt
Manche haben immer noch die Vorstellung, solche "merkwürdigen
Vögel" gäbe es nur in den Vergnügungsvierteln. Leider
verbindet dieses Vorurteil die wahre Transsexualität zum Unmut vieler
Betroffener zu Unrecht mit der Prostitution. Sicher läßt sich
nicht bestreiten, dass viele TS aus finanziellen Nöten gezwungen
werden sich auf diese Weise den Lebensunterhalt zu sichern.
Ignoranz und Intoleranz der Gesellschaft sind aber oft genug die Triebfeder
für das Abgleiten in die Subkultur da es immer noch nicht selten
ist, dass viele Betroffene nach ihrem Coming-out den Arbeitsplatz und
damit den ausreichenden Broterwerb verlieren. So nähren Vorurteile
und Ignoranz Intoleranz und Ablehnung.
Diskriminierungsabbau durch Aufklärung.
Es sollte Aufgabe aller Betroffenen sein, immer weiter Aufklärungsarbeit
zu leisten. Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte während und nach
des Angleichungsprozesses immer wieder die Notwendigkeit der getroffenen
Entscheidung und der daraus resultierenden Maßnahmen zu erläutern.
Fehler, die die Umwelt begeht werden nicht deshalb zur Wahrheit weil sie
ständig wiederholt werden. Aber sie verletzen die Betroffenen tief
und reissen immer wieder die Wunden auf, die dann nur schlecht heilen
wollen.
Spannungen bauen sich auf, die zu seelischen Verstimmungen bis hin zu
tiefen Depressionen führen können. Die Betroffenen müssen
sich die physische Angleichung an ihre Psyche immer noch hart erkämpfen,
bis sie in ihrem sozialen Umfeld die entsprechende Anerkennung finden.
Erst wenn die Reaktionen des sozialen Umfeldes sich den Erwartungen der
Betroffenen annähern, können sich die seelischen Verspannungen
lösen und die Wunden heilen.
Erklärung der wissenschaftlichen Terminologie
Wenn es auch für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist;
die Betroffenen haben bereits immer in dem von ihnen angestrebten Geschlecht
gelebt. Das biologische Geschlecht, die äußere Identität
wird zwar geändert. Die innere Identität aber bleibt erhalten.
Die äußere Form des Körpers wird deshalb umgestaltet,
damit er die innere Identität nach außen repräsentieren
kann. Somit verändert sich für die Umwelt die äußere
Identität, doch es erscheint ihr die Phase der Angleichung nur als
Wechsel der geschlechtlichen Identität, also als Transsexualität.
Aber es wird in Wahrheit der psychischen Identität lediglich die
physische Identität hinzugefügt. Es ist also nur ein körperliches
Hinüberwechseln in die richtige Identität.
Für die Umwelt also "Transidentität", für die
Betroffenen schlicht Komplettierung ihrer Identität"
Erschreckend ist die Erkenntnis:
"Anders zu sein als Andere"
Noch erschreckender dann:
"Du kannst dich nicht dagegen wehren"
Du versuchst zu verdrängen;
Du versuchst zu verbergen;
Du suchst Akzeptanz;
Du suchst dein wahres Leben.
Und wenn du es endlich gefunden hast
ist die Überwindung der mittlerweile
aufgebauten Hindernisse
fast unmenschlich quälend.
Doch wenn du dich dann gefunden hast
bist du befreit.
Befreit von Unsicherheit.
Befreit von Einsamkeit.
Befreit von innerer Zweisamkeit.
DU bist DU
Gerda Maria Weiß 0402
Transfamily dankt Gerda Maria Weiß recht herzlich für diesen
Beitrag !
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