Wie sag ich es nur meinen (m) Kind (ern) ?
Für Kinder ist es absolut nebensächlich, sogar völlig unwesendlich,
wie ihre Mamis und Papis aussehen oder heißen.
Egal ob dick, dünn, ob groß, ob klein, ob lange oder kurze
Haare. Ob schick gestylt mit Dauerwelle und geschminkt oder ob unscheinbar
und herb maskulin wirkend.
Nach den Erfahrungen mit meinen Kindern, bin ich mittlerweile zu der
Meinung gekommen, daß ein Kind immer an seinen Eltern festhalten
wird. Die bedienungslose Liebe eines Kindes zu seinen Eltern wird immer
bestehen bleiben. Ganz gleich in was für einer Lebenssituation. Ich
persönlich glaube das diese Art von Liebe von der Natur einfach so
fest gelegt wurde. Wohl vielleicht zu den ältesten Urinstinkten zählt.
Gewiß gibt es auch leider Fälle in denen sich diese kindliche
und unbedarfte Liebe in grenzenlosem Haß umwandelt. Weshalb und
Warum läßt sich meist nur schwer nachvollziehen .Oft sind es
schwere frühkindliche und traumatische Mißerfahrungen .Vielleicht
entwickelten diese Kinder zunächst Angst vor ihren Eltern , was letzendlich
eventuell zu uferlosem Haß gipfelte. Somit war das unbedarfte ,
natürliche Eltern-Kind-Verhältniss zerstört und aus seinen
Angeln gehoben.
Von so einem Fall kann man bei dem Thema "Transidentität"
nicht sprechen. Nur weil ein Elternteil "Trans" ist, gibt es
für das Kind keinen Grund seine Mutter oder seinen Vater zu hassen.
Nicht akzeptieren können weil nichts erklärt wurde weshalb gewohntes
plötzlich ungewohnt wird, trifft hier wohl eher zu. Wenn man als
Transelternteil aber vernünftig , einfühlsam und offen gegenüber
dem Kind mit dem Thema um geht, kann es viele Ängste und Sorgen im
Vorfeld abbauen.
Je mehr Verständnis man dem Kind entgegenbringt weil es sich schwer
tut mit dem verstehen oder umstellen um so freier und gelöster wird
die Veränderung an Mama oder Papa akzeptiert. Je mehr Vertrauen man
dem Kind entgegenbringt um so mehr Vertrauen gibt einem ein Kind zurück.
Und aus was für einem Grund sollte ein ohnehin gutes Eltern-Kind-Verhältniss
plötzlich gestört werden , nur weil ich mich dem Kind gegenüber
öffne oder erkläre.. In einigen Fällen entwickelte sich
eben deshalb erst ein noch innigeres Eltern-Kind-Verhältnis ..
So mancher Transident hat sich nach seinem Comingout vor den Kindern gewundert
wieviel an Verständnis ihm/ihr Plötzlich entgegenkam.
Die größte Hemmschwelle, denke ich beim CO, ist und bleibt
wohl das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern gepaart mit den
ohnehin schon schweren Selbstzeifel.
Auseinandersetzungen mit dem Partner oder den eigen Eltern sowie Schwiegereltern
verstärken die Angst und Scheu .
Welcher Transident kennt sie nicht die sogenannten "guten" Argumente
der lieben Verwandten. Metaffern wie "Du bist egoistisch" ,
"Du bist doch komplett verrückt" oder gar "Du verbaust
Deinen Kindern doch das ganze Leben". Manchmal fallen im Streit oder
im ersten Affekt sogar Sätze wie "Wenn Du je was tust dann nehme
ich Dir die Kinder weg!"
Ich denke das genau dieser Ausspruch "dann nehme ich Dir die Kinder
weg" die meisten Transidenten in Panik versetzt Denn welcher Vater
oder Mutter, der seine Kinder liebt , würde das je zulassen. Manch
einer verzichtete aus Angst vor der Trennung der Kinder auf sein Leben
und blieb so wie er/sie war. Einige verfallen in grenzenlose Verzweiflung
und Depression . Für so manchen Transidenten führte dieses psychische
Matyrium ,der Selbstzweifel,die Drohnung mit der Trennung von Kindern
und Partner nur zu einem sinnvollem (?) Resultat. Suizid!
Kein Mensch kann mit Sicherheit sagen das die Geschlechtsumwandlung eines
Elternteiles angeblich einem Kind schaden würde , weil es den moralischen
Spagat weder verkraften noch verstehen würde.
Ich halte diese Aussage oder Einstellung für absoluten Humbug , denn
ich habe gesehen und selbst mit erlebt an meinen Kindern das es klappt!
Anhanden von Alltagssituationen habe ich versucht mich meinen Kindern
näher zu bringen und immer darauf geachtete das ich wenn ich etwas
erklärte die Dinge für meine Kinder kindgerecht waren . Mit
Situationen die sie selbst in ihrem jungen Leben schon einmal erlebt haben
und somit nach empfinden konnte .Wie zum Beispiel das Unwohlfühlen
in unangenehmer Kleidung oder das Gefühl von Einsamkeit weil man
neu war oder zu niemanden paßt.
Ein Erlebnis mit meiner Großen (damals 5 Jahren) befreite mich von
jeglichem Zweifel den Kindern etwas Schlimmes anzutun.
Wir sprachen beim Mittagessen über das Aussehen der Kindergartenmuttis
von ihren Freundinnen .Die meisten von ihnen waren feminin , schick gekleidet
und ebenso schick geschminkt. Ich dagegen mehr maskulin , immer sportlich
Gekleidet und von burschikoser Natur. Sogar mein Name würde sich
von Christina auf Christoph ändern.
Meine Große guckte mich daraufhin nur mit gerunzelter skeptischer
Stirn an und meinte dann wie selbstverständlich :" Na und ?
Mir doch egal !.Hauptsache Du hast mich lieb !"
Mit dieser direkten, eigentlich sehr simplen , Antwort hatte ich so gar
nicht gerechnet. Sichtlich erleichtert und gerührt von dieser kindlichen
Zärtlichkeit schloß ich meine Große in die Arme. Ab diesen
Zeitpunkt wußte ich 100% das ich im Herzen meiner Kinder immer ihre
Mutter bleiben werde und sie mich nicht vergessen würden , selbst
wenn mein Namen Christoph war , ich einmal Bartstoppeln im Gesicht habe
und eine Brummelbärstimme bekam .
Im Laufe meiner Transformation ergaben sich immer wieder so kleine Situationen
in denen ich mich immer wieder mehr über die unbedarfte und selbstverständliche
Art und Weise meiner Kinder , mit dem Thema Trans um zugehen, wunderte.
Hier war nun ich derjenige der lernte. Meine Kinder lernten mir durch
ihre Natürlichkeit Gelassenheit und Ruhe und die einfachste These
der Welt "Es ist nun mal so !"
Wie ist es Heute nach 3 Jahren ?
Ein Leben ohne meine Kinder könnte ich mir nicht mehr vorstellen.
Denn sie waren es meistens die mir in noch so dunklen Stunden immer wieder
die Kraft und den Mut gaben weiter zu machen .Beständig bei der Sache
zu bleiben. Das ich Heute so bin wie ich bin und vorher einmal Frau war
ist in unseren Alltag ohne Schäden mit eingeflochten und eben eine
tagtägliche Tatsache. Darin stört sich niemand und ich erzähle
meinen Kindern deshalb immer noch gerne oder vielleicht eben gerade deshalb
wie lebendig sie eins einmal waren als sie noch in meinem Bauch schliefen.
Jedesmal ist ein wundervoller Anblick mit anzusehen mit was für tellergroße
Augen und Ohren meine Zwerge bei mir kuscheln und alles haargenau verfolgen.,
wenn Christophpapa Babygeschichten erzählt. Es gibt mir eine tiefe
innere Zufriedenheit .
Denn die These meiner Kinder heißt : Es ist so wie es ist! Meine
Mama heißt Christoph!"
von Christoph
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