Meine Mama heißt Christoph !
Wer kennt sie nicht die griechische Mythologie die von den Göttern
des Olymps handelt. Zeus der Göttervater, Aphrodite die Göttin
der Schönheit und Liebe, Hermes der Götterbote, Helios der Sonnengott,
Atlas der Riese der auf seinen Schultern den Himmel trägt , um nur
wenig von vielen zu nennen.
Eine der bekanntesten Handlungen der griechischen Mythologie ist die von
Hermaphroditos oder auch Atlantius genannt. Eine zwittrig-androgyne Gottheit
mit sowohl männlichen wie auch weiblichen Geschlechtsmerkmalen. Jener
Jüngling entsprang einst aus einer Liebschaft zwischen der Schönheitsgöttin
Aphrodite und dem Götterboten Hermes. Doch nicht die Liaison seiner
Eltern machte ihm zu dem sagenumwobenen zwittrigen Wesen , denn Atlantius
wurde als ein eindeutiges Geschöpf, als Mann geboren. Die Liebe der
Quellennymphe Salmiak war es die aus Atlantius Aphroditos werden ließ.
Diese hatte sich in den stattlichen jungen Mann verliebt . Atlantius aber
erwiderte ihre Gefühle nicht. Trotz der Abweisung verzagte Salmiak
nicht, sondern nutze eine Gelegenheit in der Atlantius in ihren Quellen
badete. Dort verband sie sich mit ihm um auf ewig ihrem Geliebten nahe
zu sein und bildete mit ihm ein zweigeschlechtliches Wesen, den Hermaphroditen.
Jeder der sich von nun an in dem selbigem Quellen badete entstieg dem
Gewässer ebenso als Hermaphroditen.
Kommen wir von der griechischen Mythologie zurück in unsere heutige
Gegenwart. Dann stellen wir fest das Heramphroditisimus nicht nur in Sagen
exsistiert . Auch in der Natur ist es ein sehr häufig anzutreffendes
Phänomen und gegenwärtiger als wir glauben. Zwitter, so halten
wir noch einmal kurz fest , sind Wesen deren Merkmale von mehreren Klassen
sind .Was ansonsten gut unterscheidbar ist kann hier nicht mehr eindeutig
zugeordnet werden. Die bekanntesten Zwitter sind unter den Tieren zum
Beispiel die Schnecken, Regenwürmer oder Polypen. Insbesondere in
der Pflanzenwelt ist Zwittrigkeit weit verbreitet. Doch auch bei Menschen
kommt diese Eigenart vor. Laut Statistik soll etwa jedes zweitausendste
Kind mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden. In der Medizin
bezeichnet man Menschen mit zwittrigen Geschlechtsmerkmalen als Heraphroditen
oder Intersexuell. Oft sprechen Spezialisten leider auch von Mißbildungen
und die dementsprechenden Abweichungen werden als Syndrome genannt von
denen es dreizehn verschiedene bekannte Syndrome gibt.
Wie und warum es zu derartigen Mißbildungen und den einzelnen Syndromen
kommt erklären die Endokrinologen und Spezialisten mit den verschiedensten
sich oft wiedersprechenden Gründen und für den Laie vielmals
undurchsichtig.
Wie aber lebt ein so derartiges, seltsames, uneinsichtiges , fast unheimliches
Wesen ? Ich kann Ihnen die Antwort gerne verraten und es wird sie verblüffen.
Völlig normal ! Auch diese Wesen kochen nur mit heißem Wasser
und waschen sich täglich mit Seife. Um Ihnen noch eine verblüffende
Wahrheit zu nennen : Ich bin einer von ihnen , ein Hermaphrodit. Eines
dieser oft hinterfragten Wesen die es doch eigentlich in Wirklichkeit
gar nicht gibt. Das im medizinischem und im gesellschaftlichem Sinne versucht
wird willkürlich polarisiert zu werden - natürlich ganz im Sinne
des Betroffenen ! Ich glaube gerade wegen dieser erdrückenden Art
von Schubladendenken habe ich mich schon als Kind zurück gezogen
und bin im Laufe meines Lebens zu einem Einzelgänger geworden. Wenn
ich ganz ehrlich bin ist mir das auch heute noch ganz recht . Je mehr
Menschen um einem herum sind und von mir wüssten um so mehr dumme
wie lästige Fragen würden gestellt werden und müsste ich
auch beantworten ( und ich bin es allmählich so leid immer das gleiche
zu beantworten). Manche Menschen können zwar alles essen müssen
aber nicht immer alles wissen. Das übliche Rahmendenken und die sinnlosen
Vorschriften ließen mich zu einem Spaziergänger zwischen den
Geschlechtern werden um es mir und auch den andren um mich herum recht
zu machen. Seit ich denken kann war ich immer schon ein Mädchen das
die Macke hatte lieber ein Junge sein zu wollen. Ich wuchs zu einem Teenie
heran dessen Träume es waren ein taffer, lebensfroher und gutaussehender
junger Mann zu sein. Obwohl ich in erster Linie einfach nur ein junger,unbeschwerter,
die Welt entdeckender Mensch sein wollte. Ich wurde zu einer jungen Frau
deren Wunsch , aber nicht das Wissen, war endlich in einem vollendeten
männlichen Körper zu leben. Ich wurde eines Tages Mutter zweier
Kinder , mit dem Wunsch mehr der Vater der beiden zu sein als die Mutter.
Ich reifte mit den Jahren zu einem Geschöpf das sich immer zweifelnder
und verzweifelnder fragte wer oder was es nun wahrlich sei. Ich entschied
mich ganz bewusst ab einem gewissen Zeitpunkt körperlich weder das
eine noch das andere dar zustellen. Ich wandelte mich zu einem Menschen
an dem jegliche Grenzen physisch wie psychisch nach und nach ineinander
verflossen. Ich wurde allmählich zu einem Mann dessen Äußeres
für jeden Stück für Stück wohl deutlicher wurde aber
hier und da dennoch verwirrte. Ich lebe heute eindeutig als Mann und alleinerziehender
Vater der für die Gesellschaft fast wie selbstverständlich wirkt.
Doch bin ich in aller erster Linie MENSCH der es jetzt erst, nach langen
Irrwegen, endlich geschafft hat das sein zu können was ich eigentlich
immer schon war. Ein Mann und ein Mensch den es laut Statistik nur alle
zweitausendste Geburt gibt , weil die Natur der Menschheit einen bösen
(?) Streich spielte. Wohl bleibe ich mein ganzes Leben lang ein Mann dessen
Vergangenheit einst die einer jungen Frau war. Trotzallem aber werde ich
in den Herzen meiner Kinder immer das bleiben was ich für sie von
kleinauf an für sie war : Eine Mama mit dem Namen Christoph.
|