"Die Leichtigkeit des Seins" (Fortsetzung von: Mein Kampf!
Mut und Zweifel!)
von anonymos
Es ist jetzt 5 Monate her das ich mit der Hormonbehandlung begonnen habe.
Ich wußte vorher nicht genau was mich erwartet. Ich weiß auch
heute noch nicht wo ich enden werde. Ich kann aber von mir sagen, daß
es mir immer besser geht.
Ich fühle mich wie ein 1.000 Teile Puzzle, bei dem immer mehr Steinchen
zusammen passen. Das bedeutet ich werde immer größer und nehme
mehr Raum ein. Viele kleine Wunden heilen.
Theoretisch weiß man natürlich wie die Hormone wirken, welche
"Nebenwirkungen" sehr erwünscht sind. Was es aber für
mich selbst bedeutet und wie ich mich damit fühle muß ich natürlich
selber heraus finden. Das war mir auch völlig klar.
Mich erstaunt was in meinem Kopf und in meinem Herz abgeht und welche
Erkenntnisse ich plötzlich habe.
Vor ca. 2 Monaten habe ich angefangen über meinen Lebenslauf, hinsichtlich
Transidentität, zu brüten. Der ist wichtig für die Namensänderung
beim Amtsgericht.
Für mich war es eine schmerzliche Aufgabe, da sie mich an den Punkt
zurückbrachte, an dem ich lieber sterben wollte, als weiter gegen
mich zu kämpfen. Es gab auch einige peinliche Situationen, die ich
lieber niemandem weiter erzählen wollte. Jetzt wo ich es nieder geschrieben
habe und mich nochmals damit auseinander gesetzt habe, weiß ich,
es gehört zu mir. Es sind Bausteine zu meinem ICH.
Als ich mit den Vorbereitungen für die Namensänderung anfing,
war mir die Bedeutung noch nicht wichtig. Ich weiß, daß es
ca. 1 Jahr dauert und somit keine sofortige Wirkung hat.
Deshalb überraschte mich folgende Reaktion sehr.
Am 31.05.02 habe ich beim Amtsgericht meinen Antrag persönlich eingereicht.
Vor ein paar Wochen hätte ich keinen Fuß in die Behörde
gesetzt, weil es mir zu peinlich war. (Auch kleine Fortschritte dürfen
gefeiert werden :-) ] Als ich mit stolz geschwellter Brust das Gericht
wieder verließ, überkam mich eine riesen Freude. Es macht sich
eine unheimlich schöne Leichtigkeit bei mir breit. Ich wußte
nicht warum, schließlich habe ich nur ein paar Blätter Papier
abgegeben, die jetzt noch Monate vor sich stauben werden.
Ohne daß es mir richtig bewußt war, hatte ich vorher Schuldgefühle,
weil ich als Frau nicht richtig war. Wenn ich mir andere Frauen auf der
Straße, auf der Arbeit, Freunde oder sonst wo/wer ansah und verglich,
konnte ich mich darin nicht wieder finden oder wollte auf keinen Fall
so sein wie sie. Heute ist der Druck abgefallen. Ich MUSS nicht so sein
wie andere Frauen. Ich muß auch nicht sein wie andere Männer.
Da gibt es auch genug Exemplare, denen ich nicht nacheifern will.
Ich werde meinen eigenen MANN stehen und wie das letzen Endes aussieht
weiß ich auch noch nicht genau.
Es ist ein spannender, aufregender und anstrengender Weg zu mir. Der
Lohn dafür ist unbeschreiblich. Ich fange an mir wirklich zu gefallen
und manchmal bin ich sogar begeistert von mir.
Ich kann Euch nur sagen, macht Euch auf den Weg. Es lohnt sich. WIRKLICH
!!!!!
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