Trans* und die lieben Verwandten... Nr. 2
So im Laufe seines Coming-Outs stellt man sich natürlich mit unter
die Frage wie reagieren die Schwestern , Brüder, Onkel, Oma, Tanten
, Opas und dergleichen...
Ich habe von vielen meiner Transgenossen haarsträubende und auch
beruhigende Geschichten gehört.
Manch einer wurde völlig isoliert gerade zu verbannt . Ein andrer
ohne weiteres im Familienclan gelassen und wiederum andere hatten gemischte
Erlebnisse mit der Verwandtschaft.
Was das CO bei mir innerhalb des engsten Familienkreises betrifft so
hat vieles an Outing meine Mutter übernommen, natürlich mit
meinem Einverständnis. Sie hatte zu all den Tanten und Onkeln eine
besseres Verhältnis als ich und wußte daher viel eher wie der
oder die einzelne zu nehmen war. Eines hatten wir uns beide egal wo geoutet
wurde vor genommen. Niemals geplant outen dann geht's bestimmt in die
Hose immer einen günstigen Augenblick abwarten und sich dann versuchen
Stück für Stück an den "Feind " annähern..
Das klappte meistens am Besten und half uns (mir und meiner Mami) den
berüchtigten Knödel im Hals zu überwinden. Bis auf meine
beiden Schwestern reagierte eigentlich der Rest der Verwandtschaft mit
ziemlicher Gelassenheit. Meine Lieblingstante ,neben der ich nun auch
seit kurzem wohne, war nicht sehr überrascht als sie es von meiner
Mutter erfuhr ."Ja und ?!" sagte sie nur. " Deshalb bleibt
der Mensch doch der selbe !" Wie recht sie doch hatte.
Meine Cousins waren da auch recht locker "Dann müssen wir uns
eben nun daran gewöhnen nen Cousin zuhaben." Meine zweit älteste
Schwester dagegen fiel fast vom Hocker und meine älteste Schwester
na ja ich weiß nicht...wir diskutierten zwar und redeten über
die Kindheit und meine Jugend , doch ob ich ihr dabei was klar machen
konnte weiß ich nicht. Es kam irgendwie nicht so durch bei ihr als
würde sie es oder mich verstehen wollen/können. Ich denke das
sie es mit gemischten Gefühlen sieht. Mittlerweile ist mir aber das
was meine Schwestern denken, glauben ,wollen, völlig gleichgültig
geworden. Ich bin es der wissen muß was er tut. Denn ICH habe schließlich
das ganze Leben mit mir zu tun und das möchte ich mir dann auch bitte
schön so einrichten wie ich es will und nicht so wie es einer meiner
Verwandten sieht oder mir gar vorschreibt.
Große Probleme als solches gab es nicht , dazu hielten meine Mami
und ich zu sehr zusammen. Vermutlich traute sich auch deshalb gar keiner
mehr zu pöbeln. *gg*
Ganz anders und zu einem gewissen Teil amüsant war da die Verwandtschaft
von meiner Freundin ..oh die reagierten mächtig. Immer wieder wurde
sie mit den Fragen von ihrer Mutter durchbohrt wie denn das sei, wie das
alles funktioniere, wie es weiter ging nach den Op`s, wann die wären
und ob so was denn überhaupt Mann sein könnte/dürfte...Schließlich
könne ich ihr als Mann doch gar nichts bieten weder Haus, noch Geld
,noch sonstige wertvollen Besitztümer...(doooch mein Herz)
Diese Frau war sogar so nett zu uns das sie es schaffte die Geschwister
meiner Freundin auf zu hetzen. Nur damit Nicole einsah was für einen
Fehler sie da mit mir mache und die Beziehung zu mir abbrach. Niki hatte
aber schon immer mehr das getan wonach IHR der Schädel stand und
der war eben nun mal bei mir .Demnach tat sie nichts dergleichen was sich
ihre Mutter erwünschte was den Hausdrachen nur noch mehr erzürnte.
Ihre verbalen Hetzattacken gipfelten in endlosen Beleidigungen die sie
(leider) nur immer bei Niki aussprach und niemals gegenüber mir.(warum
wohl?)
Der Einzige der Verstand und Parteilosigkeit bewies war Nikis älterer
Bruder und er war es auch der sich nach all dem Getratsche einmal unsere
Version anhörte. Danach erfuhren wir nur aus Erzählungen seiner
Frau , muß er "Mami " mal gründlich den Kopf gewaschen
haben. Seither ist die Gute Frau ruhiger geworden zwar immer noch nicht
zufrieden und einverstanden mit der Wahl ihrer Tochter aber immer hin
endlich still. Gott seis getrommelt und gepfiffen!!!
Natürlich war all dieser Hickhack für uns keine schöne
Zeit. Unsere Nerven waren dadurch ganz schön gespannt, wenn man bedenkt
das Niki zudem auch noch ein Baby erwartete. Manchmal widerte uns all
der Ärger so dermaßen an das wir uns deswegen auch stritten.
Aber egal was passierte und wer mal wieder rebellierte von ihrer ach so
lieben Verwandtschaft , Niki hält weiter hin zu mir und läßt
sich nicht um die Bohne vor schreiben wen sie zu lieben hat und wen sie
als wahren Mann zu halten hat. Nobody is perfekt ! Und wenn doch ist es
sicherlich nur Schminke oder Silikon!
von Christoph
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