Klitorispenoid aus Dachau

 

Metaidoioplastik im Kreisklinikum Dachau (Erfahrungsbericht Nr. 1)

(Photos zu diesem Bericht findet Ihr im Schutzbereich)

 

Im August 2003 habe ich beim Team von Dr. Schaff die Metaidoioplastik mit Verlängerung der Harnröhre und Kolpektomie (Entfernung der Scheide) durchführen lassen. Zunächst habe ich mich gegen Hodenimplantate entschieden, um "den Rest" erst einmal in Ruhe verheilen zu lassen.

 

7.8.03. Der Aufnahmetag.

Ich fand mich gegen 10:30 Uhr in der Klinik ein. Zuerst wurde mir mein Zimmer gezeigt (eins der Standard-Dreibettzimmer, mit Balkon, außerdem mit eigener Toilette - Duschen waren ein paar Meter entfernt über den Flur). Danach wurde ich zu den Schwestern zitiert, um die Aufnahmeformalitäten zu erledigen. Anschließend durfte ich in Ruhe meine Sachen auspacken (praktischerweise hatte ich das Bett direkt neben den Schränken) und meinen Zimmergenossen Hallo sagen (ein älterer Herr mit einer Handverletzung, und ein Transmann, der zu einer Korrektur-OP da war). Dann holte ich mir noch schnell am Automaten so eine Karte, mit der man das Telefon freischaltet.
Zum Mittagessen gab es nur noch klare Brühe, in Vorbereitung auf die spätere "Darmreinigung"... und die begann schon wenig kurz darauf. Drei Liter "Gesundbrunnen" mussten getrunken werden, ein ekliges Gesöff, das ich schon von meiner Hysterektomie her kannte. Noch bevor ich irgendeine andere Wirkung spürte, setze erst mal starke Übelkeit ein. Um den Geschmack von dem Gesöff etwas zu verbessern, bekam ich aus der Küche Brausepulver. Hat aber nicht viel geholfen... Irgendwann setzte dann auch die abführende Wirkung ein. Mir war immer noch ziemlich übel, aber zwischen diversen Toilettenbesuchen hatte ich dann noch mein Vorgespräch mit Dr. Dabernig (mit ihm hatte ich auch an den folgenden Tagen von allen Ärzten den meisten Kontakt), außerdem kam mich der Narkosearzt besuchen. Dr. Schaff selber begegnete ich auch diverse Male auf dem Flur, immerhin erkannte er mich gleich wieder, was mich irgendwie beruhigte.
Auf unserem Flur waren alle Türen offen, damit der Wind etwas Kühlung bringen konnte: die Tage, die ich in Dachau verbracht habe, waren die heißesten des Jahres.
Der Abend wurde immer später, aber ich konnte nicht schlafen. Erstens wegen der unglaublichen Hitze, sowohl in den Räumen als auch draußen auf dem Balkon, aber auch, weil beide Zimmergenossen sich als Wahnsinns-Schnarcher herausstellten. Weit nach Mitternacht stand ich auf, suchte die Nachtschwester und bat um ein leichtes Schlafmittel und Ohrenstöpsel.

8.8.03. Nach dem Aufwachen litt ich sehr unter Durst,...

aber trinken durfte ich schon nichts mehr. Ich machte mich OP-fertig: waschen und OP-Hemd und -Strümpfe anziehen. Richtig rasieren musste ich mich untenrum glücklicherweise nicht, ich hatte zu Hause mit einem Langhaarschneider alles so kurz wie möglich geschoren, und es stellte sich heraus, dass das ausreichte. Gegen Mittag wurde ich endlich abgeholt, durfte noch schnell meine Beruhigungspille schlucken, und los ging's. Unten im OP waren sie aber noch nicht soweit, es gab noch Probleme bei einem anderen Patienten. Ich durfte trotzdem schon mal im Vorbereitungsraum auf den harten OP-Tisch umsteigen, und bekam von irgendjemandem (ohne Brille bin ich verloren!) eine Nadel in den Handrücken gestochen und eine Blutdruckmanschette angelegt. Ich wurde gefragt, ob ich schon mal ein bisschen dösen wollte - aber gerne! Obwohl das Liegen sehr unbequem war und ich ziemlich nervös, schlief ich ein paar Minuten. Dann wurde es ernst, der OP-Saal war frei, und ich wurde hereingeschoben. An mehr kann ich mich nicht erinnern!

Irgendwann, es muss wohl gegen 18:30 Uhr gewesen sein, wachte ich auf dem Zimmer auf. Ich habe wohl meine Zimmergenossen etwas gefragt (die Uhrzeit), und dann bald weitergeschlafen. An Schmerzen kann ich mich nicht erinnern.
Etwas später, gegen 20:30 Uhr, wachte ich noch mal auf, diesmal spürte ich ein deutliches Zwicken zwischen den Beinen. Ich klingelte nach der Schwester und bat um ein Schmerzmittel, das ich auch sofort bekam. Nach wenigen Minuten spürte ich nichts mehr. Ich fühlte mich gut und richtig wach. Natürlich konnte ich nur auf dem Rücken liegen und mich kaum bewegen, aber das Bett war sehr bequem und außerdem elektrisch verstellbar. Auch ein Extra-Kissen für unter die Knie hatte man mir gegeben. Ich schnappte mir das Telefon und rief zuerst meine Freundin und dann meine Eltern an um zu sagen, dass alles gut gelaufen war. Ich muss wohl auch richtig gut geklungen haben, denn am anderen Ende der Leitung hörte ich jedes Mal große Erleichterung. Nach dem Telefonieren bin ich sehr bald wieder eingeschlafen, und schlief praktisch durch bis zum nächsten Morgen. Mein Hauptproblem war starker Durst - da ich noch nichts trinken durfte, habe ich mir regelmäßig eine neue Flasche Ringerlösung in die Venen laufen lassen.

9.8.03. Die ganze Nacht hindurch hatte man wohl regelmäßig nach mir geschaut...

- jedenfalls waren alle möglichen Markierungen auf meine Drainageflaschen draufgemalt worden. Die ganzen Schläuche habe ich überhaupt jetzt erst richtig wahrgenommen: Der Blasenkatheter durch die neue Harnröhre, und zwei Schläuche, die irgendwo zwischen den Beinen Richtung Pobacken herauskamen, und durch die eine ganze Menge Blut in die Flaschen abgeleitet wurde. Ich weiß nicht, wie viel Blut ich während der OP eingebüst habe - in die Flaschen lief jedenfalls eine ganze Menge. Mein Kopf fühlte sich zeitweise an wie in Watte gepackt, und sobald es erlaubt war, habe ich literweise angefangen zu trinken. Der Blutverlust und die Hitze, dazu die Nachwirkung der Narkose: das schlaucht einen ganz schön. Überraschenderweise blieben die Schmerzen nun ganz weg! Es schaute regelmäßig eine Krankenschwester herein und fragte, ob ich etwas gegen die Schmerzen bräuchte. Aber ich war mit der einen Ampulle am 8.8. ausgekommen! Ich war begeistert. Mittags bekam ich Besuch, und der war auch völlig baff, wie gut es mir ging. Aufstehen war aber nicht drin - damit die tiefe Wunde nach der Kolpektomie (Scheidenentfernung) und die neue Harnröhre geschont wurde, hatte ich vorerst strikte Bettruhe. Keine angenehme Sache bei weit über 30 Grad im Schatten... Beschäftigt habe ich mich hauptsächlich mit Trinken. Zum Essen gab es übrigens vorerst wieder nur klare Brühe, an den darauffolgenden Tagen dann auch Milchsuppen, Puddings und diverse Breispeisen. Übrigens bekam ich ab jetzt auch jeden Tag diverse Tabletten, leider habe ich versäumt zu fragen, was das alles war. Sicher weiß ich nur, dass ich ca. 5 Tage lang vorbeugend Antibiotika bekommen habe.

10.8.03. Nach wie vor ging es mir sehr gut...

. Keinerlei Schmerzen! Ich trank eine Flasche Wasser nach der anderen. Die Hitze fing nun wirklich an, mir zu schaffen zu machen. Meine Freundin brachte mir feuchte Tücher als Abkühlung. Nachts zu schlafen wurde nun wieder schwieriger - auf dem Rücken zu liegen fand ich nach einiger Zeit unbequem, außerdem ging mir das Geschnarche der beiden anderen Patienten auf die Nerven.

11.8.03. Die Drainagenwurden gezogen....

Etwas unangenehm, aber immerhin schnell vorbei. Die Stellen, wo die Schläuche durch die Haut durchgingen, bluteten in den folgenden Tagen immer wieder etwas nach.
Ansonsten war ich nur ganz leicht verbunden: eine Netzunterhose, darin so etwas wie eine Damenbinde. Um das Penoid herum waren locker ein paar Kompressen gewickelt. Ich weiß nicht mehr genau, wann der erste Verbandswechsel gemacht wurde, ich glaube, ein oder zwei Tage nach der OP... Da konnte ich dann auch das erste Mal einen Blick auf die ganze Sache werfen. Sah gut aus! Der Katheterschlauch kam da raus, wo er rauskommen sollte: an der Penisspitze. Diese war sehr stark geschwollen, und folglich ziemlich berührungsempfindlich. An Stellen, wo ich noch nicht hinschauen konnte, hatte ich ein paar Blutergüsse; dagegen bekam ich eine abschwellende Salbe.

12.8.03. Morgens durfte ich das erste Mal kurz aufstehen...

Füße auf den Boden stellen, und, gestützt von einer Krankenschwester, ein paar kleine Schritte machen. Weiter als einen Meter von Bett weg bin ich aber nicht gekommen, da merkte ich schon, wie mir schwummerig wurde. Bloß nicht nach unten gucken! Trotzdem waren alle sehr zufrieden mit mir...
Etwas später meldete sich mein Darm, und ich war gezwungen, nach der Bettpfanne zu fragen. Seeeeehr unangenehm!
Abends durfte ich dann noch mal aufstehen, und da ging es schon richtig gut. Ich konnte mir ohne größere Probleme alleine über dem Waschbecken meine Haare waschen, und fühlte mich danach schon bedeutend besser. Beim Verbandswechsel zeigte sich, dass noch irgendwo etwas nachblutete, doch das waren wohl nur wieder die zwei offenen Stellen von den Drainageschläuchen.
Langsam bekam ich wieder Appetit auf "richtiges" Essen, nach den ganzen Tagen mit 3x täglich Suppe/Brei/Pudding...

13.8.03. Ich musste nüchtern bleiben,...

durfte nicht einmal etwas trinken, weil ich zur Sonographie sollte. Es sollte ausgeschlossen werden, dass sich im Bauchraum "freie Flüssigkeit" angesammelt hatte, außerdem sollten Nieren und Blase kontrolliert werden. Halb verhungert und verdurstet kam ich nach langem Warten endlich dran. (Der Weg zum Untersuchungsraum war so weit, dass man mir einen Zivi schickte, der mich im Rollstuhl hin- und zurückfuhr.) Die Untersuchung ergab, dass alles in Ordnung war. Wieder auf dem Zimmer, trank ich erst mal literweise Wasser, um mein Flüssigkeitsdefizit auszugleichen. Das Wetter was nach wie vor tropisch, die Temperaturen auf der Station nachmittags schätzungsweise um die 30 Grad...
Später bekam ich noch mal Besuch, und konnte schon ganz gut auf dem Flur spazieren gehen (natürlich mit dem Katheterbeutel in der Hand!). Das einzige, was unangenehm war, war normales Sitzen, dabei hatte ich ein komisches Druckgefühl, das auch erst Wochen später komplett wegging.

14.8.03. Ab jetzt brauchte ich keine Antibiotika zu schlucken...

Auch konnte ich nun meinen Katheterbeutel regelmäßig selber ausleeren gehen. Überhaupt war ich wieder richtig mobil, konnte auch draußen auf dem Klinikgelände rumlaufen. Allerdings zwickte mein Darm immer mal wieder...

15.8.03. Plötzlich hatte ich schlimme Verstopfung....

Äußerst schmerzhaft! Habe alles versucht, was die Klinik so hergab (die Schwestern brachten unermüdlich neue Mittelchen), trotzdem war dieser Tag ein ziemlicher Horror für mich. Es dauerte Stunden, bis meine Darmkrämpfe nachließen. Mein Bruder wollte mich eigentlich nachmittags besuchen, aber ich wollte lieber in Ruhe vor mich hin leiden...

16.8.03. Endlich hat sich der Darm beruhigt....

Ist schon ein Hohn, wenn man durch die OP selber kaum Schmerzen hat, nur durch die "Nebenwirkungen" (Abführen vor der OP, langes Liegen danach, usw.).
Die offenen Stellen bluteten immer noch, ich habe angefangen, sie mit Heilsalbe einzureiben. Das Penoid war immer noch sehr geschwollen und empfindlich. Manchmal ziepte es ein bisschen, wenn sich der Katheterschlauch etwas an der Harnröhrenöffnung entlang verschob. Alles unterhalb des Penoids kann ich selber noch nicht sehen...
Den ganzen Tag über musste ich Blasentraining machen. Den Katheterschlauch über eine längere Zeit abklemmen, warten, bis das Gefühl kommt, dass die Blase richtig voll ist, und dann den Schlauch wieder frei machen, so dass der Urin abläuft. So kann man wieder realistisch einschätzen, wann man wirklich "muss".

17.8.03. Der Katheter wurde gezogen...

Danach sollte ich soviel wie möglich trinken, um schnell feststellen zu können, ob auch alles funktionierte... Ich war ziemlich nervös, und als es dann soweit war, kamen nur ein paar Tropfen. Ich weiß nicht so genau, ob das noch an den Schwellungen lag, oder an meiner Nervosität, oder auch an dem generell komischen Gefühl, wenn auf einmal die Harnröhre ein paar Zentimeter länger ist. Gegen 16 Uhr klappte es aber immerhin schon ganz ordentlich. Dann bekam ich wieder Bauchschmerzen, diesmal mit Durchfall. Nach einer Dosis Schmerztropfen und einer Menge Mittel gegen Blähungen ging es mir abends wieder besser. Endlich, das erste Mal seit knapp 10 Tagen, konnte ich duschen gehen. Eine Wohltat!

18.8.03. Morgens wurde ich informiert, dass ich heute entlassen werden würde...

Ich habe sofort meinen "Abholer" informiert. Bei der kurzen Autofahrt nach München habe ich dann jedes Schlagloch gespürt - erst da wurde mir so richtig klar, was für eine schwierige OP ich hinter mir hatte. Zu Hause angekommen musste ich mich erst mal ausruhen.

Die Erholungszeit dauerte noch ca. 3 oder 4 Wochen. Während dieser Zeit habe ich fast jeden Tag mittags eine Weile geschlafen, weil ich mich so geplättet fühlte. Nach ca. 1 Woche zuhause bin ich aber schon wieder längere Wege draußen rumgelaufen. Ende September bin ich umgezogen, deswegen konnte ich mich nicht so lange schonen, wie ich es eigentlich gerne getan hätte.
Etwa 3 Wochen post-op wurde mir dann klar, dass irgendeine Naht nicht mehr dicht war - der Urinstrahl war geteilt, einmal nach vorne, einmal zur Seite (dort gleich in mehrere Richtungen). Ich fuhr noch mal nach Dachau in die Ambulanz, und man sagte mir, dass sich die Fisteln entweder innerhalb einiger Monate selber schließen würden, oder aber operativ verschlossen werden müssten. Ein winziges Loch hat sich tatsächlich selber verschlossen, ein etwas größeres ist aber leider geblieben. Es ist schwer mit dem Finger zuzuhalten, denn dann drücke ich gleich die ganze Harnröhre zu. Also werde ich mich im Sommer noch mal in Dachau einfinden, denn ich möchte schon gerne im Stehen Wasser lassen können, ohne Panik zu haben, dass (wie jetzt) die Hälfte danebengeht.
Ein weiteres Problem, mit dem ich später (im November 2003) zu kämpfen hatte, war eine langwierige Harnwegsinfektion. Erst als der Bakterienstamm in einer Laboruntersuchung isoliert worden war, konnte die Infektion richtig behandelt werden, denn die Bakterien waren resistent gegen fast alle Antibiotika. Dazu muss ich noch sagen, dass ich schon längere Zeit anfällig für solche Infektionen gewesen war, eigentlich seit der Zeit, als ich mit der Hormonbehandlung anfing. Keine Ahnung warum... aber betroffen war jedes Mal in erster Linie die Harnröhre, gar nicht so sehr die Blase.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis der OP. Die sexuelle Erregbarkeit ist unverändert, und ich finde das Ergebnis optisch ziemlich gelungen.


( Mit freundlicher Genehmigung des Autors, der anonym bleiben möchte )

 


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