Klitorispenoid aus Dachau

 

Metaidoioplastik im Kreisklinikum Dachau (Erfahrungsbericht Nr. 2)

(Photos zu diesem Bericht findet Ihr im Schutzbereich)

Allgemeines

Die Operation fand statt im Frühjahr 2004. Vorher gab es eine Verschiebung des OP-Termins um 2 Wochen. Dies wurde telefonisch etwas 1 Monat vor dem Originaltermin mitgeteilt.

Das Krankenhaus entspricht gutem Standard. Das Personal ist überwiegend sehr freundlich und Trans*positiv eingestellt. Es gibt sehr viele Transfrauen und -männer auf der Station. Die Pflege ist professionell, allerdings sollte man sich gut merken, welche Anordnungen und Meinungen bei den Visiten getroffen werden und welche Behandlungen man bekommt bzw. bekommen hat. Das Personal ist - wie wohl in den meisten Krankenhäusern - sehr überlastet und da gibt es schonmal Kommunikationsprobleme.

Untergebracht ist man in einem Drei-Bettzimmer (falls man nur gesetzlich versichert ist). Die Toilett mit Waschbecken ist vom Zimmer aus zugänglich. Einige wenige Duschen sind auf dem Gang und für alle Patienten gedacht. Das ist nicht so toll, aber da man eh erst ab dem 10. Tag frühestens duschen kann, ist es nicht so schlimm.
Nach Möglichkeit werden Transleute zusammen gelegt. Wenn aber nicht genug vorhanden sind, kommt man in ein ganz normales Zimmer. Während den Untersuchungen etc. im Zimmer wird Diskretion gewahrt z.B. durch Aufstellen einer Trennwand. Leider finden allerdings die Vorgespräche zur OP meist im Zimmer statt und da kann es gut sein, dass die anderen Patienten mitbekommen, was da läuft.

Das Essen war... grottenschlecht. Mehr kann ich dazu nicht sagen :-(

Auf Fragen der Mitpatienten nach meinem Grund des Aufenthaltes hab ich immer geantwortet "Probleme beim Pinkeln". Das reichte als Antwort. Männer sind da zum Glück sehr diskret.

Vor der OP

Es gab die üblichen Untersuchungen und Vorgespräche. Ausserdem wurden Photos gemacht, was aber anscheinend nicht die Regel ist. Ich habe verlangt, dass ich vor der OP noch mit Dr. Schaff persönlich reden kann, weil ich ihn bei dem Infogespräch nicht sehen konnte. Er kam und nahm sich genügend Zeit für meine Fragen und Wünsche.

Zum Abführen darf man am Tag vor der OP ab mittags nichts mehr essen und bekommt 3-4 Liter Abführwasser zu trinken. Es schmeckt nicht toll, aber man bringt es ganz gut runter. Abends gibt es dann noch eine Schlaftablette und kurz vor der OP die übliche Beruhigungstablette.

Die OP

Bei mir hat die OP mit fast 4 Stunden recht lange gedauert. Auf Wunsch hab ich auch die gesamte Vagina entfernen lassen (ist kein Muss). Dass war wohl bei mir extrem schwierig und mit sehr viel Blutverlust verbunden. Ich war erst am Abend wieder im Zimmer und wurde die ganze Nacht über alle halbe Stunde vom Nachtdienst betreut und versorgt. Mehr als die Schmerzen hat mich genervt, dass ich starken Durst hatte. Zu Trinken gab es aber nichts. Immerhin bekam ich aber ein Mundspray und dicke Wattestäbchen, die mit Zitronensaft getränkt waren. Neben dem Tropf hatte ich auch noch Sauerstoffzufuhr über Nasenschläuche.

Nach der OP

... darf man 4 Tage lang nicht aufstehen. Davor hatte ich Horror, aber als es dann so weit war, hat es mir nicht viel ausgemacht. Die Betten sind gut und elektronisch in alle möglichen Liege- und Sitzpositionen zu bewegen. Allerdings war den gesamten Aufenthalt und auch noch lange Zeit danach nicht an eine andere Liegepostion als auf dem Rücken zu denken. Alles andere schmerzte zu sehr.

Ohne permanente Schmerzmittel ging nichts. Auch zuhause nahm ich noch ca. 2 Wochen lang ab und zu Schmerzmittel. Hauptsächlich rührten die Schmerzen jedoch von der Narbe der Vagina her und nicht so sehr vom eigentlichen Penoid.

Selbiges war natürlich anfangs stark geschwollen und irgendwie konnte man nicht recht erkennen, wo "vorne und hinten" ist. Das wurde zwar von Tag zu Tag etwas besser, aber bis zum endgültigen Abschwellen hat es ca. 6 Wochen gedauert.

Als Verband gab es nur einen lockeren Mullverband und Binden zum polstern. Ab dem 6. Tag war ich dann auch in der Lage, mir eine eigene Unterhose zumindest über die Netzhose zu ziehen (weiche, weite Boxershorts sind zu empfehlen !). Nervig sind natürlich die Drainageschläuche, die bis zum 9. Tag drin bleiben und das Gehampel mit dem Urinbeutel. Die Drainagen wurden am 8. und 9. Tag entfernt und am 11. Tag wurde der Katheder gezogen, was nicht gerade angenehm war. Dann sollte man möglichst viel trinken um häufig Wasserlassen zu können. Davor hatte ich allerdings soviel Angst (wegen Schmerzen), dass ich nicht pinkeln konnte obwohl ich literweise Tee getrunken hatte.

Mir wurde dann ein Entspannungsmittel gegeben und dann ging es irgendwann. Schmerzhaft daran war aber nicht das Pinkeln selbst, sondern das Sitzen auf dem Klo. Das war auch vorher beim Versuch der Erledigung des grösseren Geschäftes ein riesiges Drama. Ohne diverse Abführorgien ging bei mir gar nichts.

Schlimm beim Pinkeln war auch, dass es nur einen hauchdünnen Strahl gab und ich dadurch ewig brauchte, was wiederum Schmerzen verursachte. Der Strahl wurde erst lange Zeit später etwas kräftiger, ist aber immer noch bei weitem nicht vergleichbar mit der alten Pinkelsituation.

Da ich etwa in der Hälfte meines Krankenhausaufenthaltes einen kleinen Kreislaufkollaps erlitt, wurde ich zur Sicherheit erst am 13. Tag entlassen.

Bis dahin konnte ich immer noch kaum auf einem Stuhl sitzen und hab auch zuhause die Zeit meistens halbliegend zugebracht.

Die Zeit danach

Die meiste Zeit zuhause hab ich mit Schlafen und und Lesen verbracht und damit, die sich allmählich lösenden Fäden zu zupfen. Es stellte sich heraus, dass Pinkeln im Stehen wesentlich weniger schmerzhaft war. Da aber der neue Pimmel zu kurz zum Einfachsopinkeln war und ausserdem der Strahl in alle Himmelsrichtungen ging, hab ich mir eine Verlängerung gebastelt. Damit ging es prima.

Nach einigen Wochen stellte sich eine Blasenentzündung ein, die mit Antibiotika behandelt wurde. Die Genesung hielt allerdings nicht lange vor und es kam eine weitere Blasenentzündung. Auch diese wurde mit verschiedenen Antibiotika behandelt.

Stand der Dinge im August 2004

Die Blasenentzündung ist immer noch nicht ganz weg. Ich habe noch leichte Schmerzen beim Wasserlassen, bin aber nicht mehr in Behandlung.

Das Pinkeln im Stehen ist nach wie vor angenehmer als im Sitzen, allerdings auch immer noch mit den o.g. Einschränkungen verbunden (zu kurzer Pimmel und unkontrollierbarer, relativ dünner Strahl). Beim Pinkeln im Sitzen tritt ausserdem das "technische" Problem auf, dass ich, wenn ich nicht aufpasse, aus der Schüssel nach oben rauspinkle ;-)

Fazit

Für mich war es die schwerste OP, die ich bisher hatte und ich bin froh, dass ich sie hinter mir habe. Es ist alles dicht (keine Fistel) und mit den o.g. Einschränkungen kann ich gut leben. Vom optischen Ergebnis her bin ich etwas enttäuscht, weil ich erhofft habe, dass "er" länger wird. Dass dem nicht so ist, liegt aber an meinem üppigen Körperbau und daran, dass am Pimmel selbst so viel Material vorhanden ist, dass die Eichel unter der Vorhaut verschwindet, wenn "er" nicht gerade erregt ist.

Sexuell hat sich nichts zum Negativen geändert. Das funktionierte schon ein paar Tage nach der OP wieder ;-). Allerdings muss man sich eine etwas andere Technik angewöhnen, weil es nun keine "Schmierung" mehr gibt.

Ich bereue die OP nicht, im Gegenteil. Mein Körpergefühl hat sich wieder um einen entscheidenden Schritt an meine Psyche angepasst und ausserdem ist es ungeheuer praktisch, im Fall des Falles, im Stehen urinieren zu können.

Anfang 2005 werde ich nochmals nach Dachau gehen, um den für mich letzten Schritt, die Hodenimplantate, vornehmen zu lassen.

 

( Mit freundlicher Genehmigung des Autors, der der nTransfamily bekannt ist, jedoch hier anonym bleiben möchte. )

 


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