Klitorispenoid aus Dachau

 

Metaidoioplastik im Kreisklinikum Dachau (Erfahrungsbericht Nr. 3)

(Photos zu diesem Bericht findet Ihr im Schutzbereich)

Erfahrungsbericht Metaoidiaplastik in Dachau

Da alles schon fast ein Jahr zurückliegt, habe ich leider nicht mehr alles ganz frisch in Erinnerung, ich habe mir damals aber einige Notizen gemacht. Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich trotz leichter Komplikationen sehr zufrieden bin, sowohl mit dem Ergebnis, (Funktionalität, Optik und Empfinden) als auch mit der super netten und professionellen Versorgung.

Der Tag vor der OP

Zunächst habe ich mir einen Erfahrungsbericht von der Transfamily-Internetseite durchgelesen, um zu wissen, worauf ich mich einlasse. Da es mir sehr geholfen hat, habe ich mir vorgenommen, ebenfalls später etwas über meinen Krankenhausaufenthalt zu berichten, denn jeder der sich operieren lassen möchte, sucht erst mal verzweifelt nach irgendwelchen Berichten. Aus dem gelesenen Bericht wusste ich also auch schon, was am Tag vor der OP auf mich zukam: einen Einlauf machen plus 3 Flaschen ekligen "Gesundbrunnen" trinken. Prost!

Der Tag der OP

Zum Glück kam ich bereits als erster dran. Um 6:00 Uhr durfte ich also duschen, die Beruhigungstablette bekam ich allerdings erst 5 Minuten bevor ich um 7:00 Uhr nach unten gefahren wurde, sie hat also nicht mehr gewirkt, was aber auch nichts machte, da die Narkose-Ärzte unten sehr nett waren und mich ebenso gut beruhigt haben. Die Narkose habe ich ohne irgendwelche Nebenwirkungen vertragen.
Als ich wieder aufwachte, hat man mir sofort Schmerzmittel in den Tropf getan und ich habe bis zum nächsten Morgen durchgeschlafen.

Der 1. Tag nach der OP

Voller Spannung warte ich auf den ersten Blick aufs Penoid und bin positiv überrascht: es ist weder besonders geschwollen noch habe ich einen Bluterguss, alles in allem bin ich sehr zufrieden. Gegen 19:00 kommt ein neuer Patient aufs Zimmer, der in Dachau einen "großen Penoidaufbau" hatte machen lassen und plötzlich eine Infektion bekam, so dass er noch mitten in der Nacht notoperiert wurde. Die Oberärztin wies ihn auf das Risiko einer Nekrose hin. In dem Moment war ich einfach nur froh, dass ich mich für die "kleine Lösung" entschieden hatte. In der Nacht wird mehrmals mein Verband gewechselt.

Der 2. Tag nach der OP

Das Sitzen ist wegen des Spannungsgefühls sehr unangenehm. Schnell esse ich mein Süppchen ( das Einzige, was ich zu Essen bekomme) und lege mich wieder hin, was aber nach 2 Tagen Liegen auch nicht mehr so toll ist. Nervig ist auch der Sandsack, den man zwischen den Beinen gegen das Penoid drücken soll, damit ein Bluterguss und Nachblutungen verhindert werden. Ein Tip am Rande: Den Sandsack am besten immer selbst positionieren, da es sonst vorkommen kann, dass ein Pfleger ihn mal recht unsanft drauflegt, was ziemlich weh tut.

Der 3. Tag nach der OP

Irgendwie habe ich meinen Rhythmus gefunden, wie ich das Liegen im Bett rumkriege. Alle 2 Stunden lege ich mich kurz auf die Seite, dann wieder zurück auf den Rücken.

Der 4. Tag nach der OP

Zuerst hatte man mir gesagt, ich hätte 3 Tage Bettruhe, dann hieß es 3-5 Tage, dann 7 und dann 10 Tage. Ich frage mich, warum ich solange liegen bleiben soll. Eine Schwester meint, wenn ich abgeführt habe, bekomme ich auch etwas Richtiges zu essen. Als ob mein Magen Ohren hat: einige Minuten später muss ich die Schwester rufen, die mir den Toilettenstuhl bringt. Mit einem kleinen Einlauf klappt es dann auch ganz gut. Mein Blutdruck ist aber noch ziemlich niedrig. Hier noch ein Lob an die Pfleger und Pflegerinnen, die täglich die niedrigsten Arbeiten an den Patienten verrichten und sich spürbar um unser Wohl sorgen. Auf dem Zimmer liegt mittlerweile noch ein Patient, der einen schweren Trümmerbruch hatte und Angst vor dem Verlust seines Fußes hat. Beim Verbandswechsel ist es mir zuerst unangenehm, wenn mein Bettnachbar auf meinen verbundenen Unterleib rüberschielt, (ich habe ihm gesagt, ich hätte etwas an der Harnröhre) aber mit der Zeit hat es mir auch nichts mehr ausgemacht, man solidarisiert sich irgendwie, da es uns allen ja nicht so gut ging und auch mein Bettnachbar, ein über 40 Jahre alter Mann, hat nicht mehr das Gefühl, dass er seine Tränen vor seinen Zimmernachbarn verstecken muss. Irgendwie sitzen wir Patienten doch alle in einem Boot.

Der 9. Tag nach der OP

Heute soll endlich der Katheter gezogen werden. Auf Anraten, möglichst viel zu trinken, übertreibe ich es wohl etwas und trinke an jenem Morgen 4 Liter Wasser, was ich später schmerzlichst bereuen soll. Nachdem der Katheter gezogen wurde (tat nicht weh), kommt nun der große Moment: das erste Mal Pieseln im Stehen. Leider kommt es nur tröpfchenweise und bereitet starke Schmerzen. Die Schmerzen werden immer stärker, da der Druck auf meiner Blase bei 4 Litern Wasser entsprechend groß ist und danach schreit, abgelassen zu werden, was aber nicht klappt. Hier kommt nun auch meine einzige Kritik an dem Pflegepersonal zu Worte, das lediglich meinte, "das wird schon" und ich "sei wohl zu angespannt und verkrampft". Aus eigener Intuition merke ich aber, dass irgendwas nicht stimmt und ich nicht bloß verkrampft bin. Am Abend kommt die Oberärztin vorbei, gibt mir ein Beruhigungsmittel und meint, das sei normal, dass es nicht sofort mit dem Pieseln klappt, das liege wahrscheinlich an einer inneren Schwellung und morgen werde es bestimmt schon besser sein. Die ganze Nacht habe ich kein Auge zugetan, alle 10-15 Minuten bin ich bis 7:00 morgens mit furchtbaren Magenkrämpfen zur Toilette gerannt, um 2-3 Tröpfchen Urin abzulassen. Die Schmerzmittel, die man mir brachte, haben alle nicht gewirkt, und erst als ich gegen Morgen Nierenschmerzen bekam, hat eine Schwester die Oberärztin gerufen, die dann gegen 9:00 Uhr kam, um mich zu erlösen. Da man nun endlich feststellte, dass ich wirklich nicht Pieseln konnte (was ich ihnen auch schon am Tag vorher versucht hatte klarzumachen), hat man mir im Bett mit örtlicher Betäubung einen Katheter durch die Bauchdecke gelegt. Das war auch ein Erlebnis, denn man kriegt ja alles mit, d.h. wie sie einem in den Bauch schneiden, den Katheter nach unten durchdrücken und zum Schluss alles vernähen. Sobald der Katheter gelegt war, konnten die restlichen 2 Liter (!) Urin ablaufen und ich war total erleichtert. Die Oberärztin meinte, man habe den Katheter wohl zu früh gezogen, jetzt müsse ich wieder 5 Tage warten bis der Bauchdeckenkatheter gezogen werden könne. Natürlich hatte ich jetzt Angst, dass es dann wieder nicht mit dem Pieseln klappen würde, aber immerhin hatte ich jetzt die Lehre gezogen, vor dem Ziehen des Katheters nicht mehr ganz so viel zu trinken.

Der 13. Tag nach der OP

Heute ist endlich die Chefarztvisite. An meinem Bett sagt man Dr. Schaff, warum ich einen Bauchdeckenkatheter bekommen habe. Er wundert sich darüber und meint, das Pieselproblem läge wahrscheinlich weniger an einer Schwellung, sondern offensichtlich an einer Verstopfung der Harnröhre, und so war es auch. Dr. Schaff schiebt sogleich einen sogenannten "Einmal-katheter" durch die Harnröhre und schon läuft die ganze Suppe raus. Es hatte sich ein Schleimpfropf in der Harnröhre festgesetzt, was laut Dr. Schaff nach solchen OPs nicht unüblich sei. "Hätte man mir diesen Einmal-Katheter doch schon sofort durchgeschoben, nachdem man gemerkt hatte, dass ich nicht Pieseln konnte", dachte ich bei mir, aber Pfleger und Ärzte sind eben auch nur Menschen.
Dr. Schaff klemmt den Bauchdeckenkatheter ab und sagt mir, ich solle jetzt etwas trinken und dann zur Toilette gehen. Gespannt warte ich auf den Urinstrahl, und : ein Wunder, er kommt ohne Schmerzen und zwar nicht bloß in Tröpfchen, sondern als richtiger Strahl. Endlich habe ich Hoffnung, nun bald entlassen zu werden, doch da ich 3 Tage später Fieber bekomme, wird daraus erst mal wieder nichts. Ab zur Sonographie, es ist aber zum Glück alles in Ordnung.

Der 17. Tag nach der OP

Und immer noch bin ich im Krankenhaus .... Bei einem neuen Mitpatienten wurde ein Krankenhauskeim (MRSA) festgestellt, gegen den nur ein einziges Antibiotikum wirken soll. Unser Zimmer wird sogleich unter Quarantäne gestellt, d.h. wir dürfen es nicht mehr verlassen und Besucher dürfen nur mit Kittel und Maske rein. Na toll! Ich weiß nicht, was schlimmer war, die Geschichte mit dem Pieseln oder im Zimmer eingeschlossen zu sein. Duschen ist jetzt auch nicht mehr drin, weil wir keine Dusche auf dem Zimmer haben.

Der 18. Tag nach der OP

Hurrah, ich darf nach Hause!

Resümee

Nun hört sich vielleicht vieles so an, als ob es ganz schlimm im Krankenhaus war und ich will auch nichts verschönern, ein Zuckerschlecken war es wirklich nicht. Ich weiß nicht, was ich ohne meine Frau und Eltern gemacht hätte, die mich fast jeden Tag besucht haben. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, sowohl mit dem Ergebnis als auch mit der Behandlung im Krankenhaus und kann die Ärzte und Klinik insgesamt nur weiterempfehlen. Ich habe die OP nicht bereut, sondern fühle mich durch die neuen Umstände sehr bereichert. Die ersten Wochen nach der OP hatte ich Angst, dass ich vielleicht meine Orgasmusfähigkeit verloren hatte, da jede Anspannung noch ziemlich weh tat, aber es hat sich nach etwa 3 Monaten alles wieder normalisiert. Auch das Pieseln durch den Hosenschlitz klappt nach einiger Übung hervorragend, am Anfang hatte es nicht so richtig funktioniert, aber irgendwann habe ich dann rausbekommen, wie man treffsicher zielt. Man muss das Penoid hier und da mal in die richtige Richtung lenken. Eine Harnwegsinfektion habe ich zum Glück noch nicht bekommen, ebenso wenig eine Stenose. Ich habe eine Fistel, zum Glück aber nicht in der Harnröhre, so dass es sich nicht aufs Urinieren auswirkt. Die Fistel stört laut Dr. Schaff nicht weiter und wird deshalb nicht operativ geschlossen werden müssen, was scheinbar auch nicht geht. Einziger kleiner Nachteil ist, dass der Urinstrahl nicht mehr so kräftig wie vor der OP ist, so dass man nun am Tag ein paar mal öfters die Toilette aufsuchen muss, woran man sich aber auch gewöhnen kann. Den Aufbau von Hoden hab ich nicht geplant, da ich von OP-Komplikationen erst mal genug habe und die Dinger ja auch schon mal verrutschen können etc. Außerdem ist mir noch mal klar geworden, was für Risiken jede OP mit sich bringt ( den MRSA-Keim habe ich übrigens auch mit nach Hause geschleppt, wurde aber durch Antibiotika-Behandlung beseitigt), zumal ich bei meinem eigenen Bettnachbarn mitbekommen habe, wie schnell man sich mit dem größeren Aufbau, der meiner persönlichen Meinung nach im Übrigen nicht immer besser aussieht, noch größere Komplikationen zuziehen kann. Auch von einem Kumpel, der sich in Frankfurt ein Penoid aus dem Arm hat machen lassen, habe ich von vielen schweren Komplikationen gehört. Das heißt nicht, dass ich eine große OP anderen abraten möchte, ich will damit nur sagen, dass ich mich entschieden habe, keinen weiteren Aufbau zu machen.

So, nun hoffe ich, mein Bericht hat wenigstens einigen von euch etwas gebracht und wünsche euch viel Glück bei euren eigenen, vielleicht noch anstehenden OPs.

 


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