Erfahrungsbericht : "Klit - Pen" in MünchenAm Ende eines
Jahres habe ich mich in München vorgestellt. Schon bei der Terminvergabe
hatte ich so meine Schwierigkeiten mit der Sekretärin. Den OP-Termin bekam ich nach einigem hin und her dann für Januar. Vorsichtshalber habe ich die Gutachten, eine Überweisung und die Kostenübernahme der Krankenkasse mitgebracht. Bis dahin lief eigentlich auch noch alles glatt. Für die Genehmigung zur OP hat denen das jedenfalls gereicht. Tja und dann kam ich Donnerstags morgens in München an und dachte, Freitag käme ich unters Messer. Ja von wegen. Frühestens Montag. Aus Montag wurde dann Dienstag, ohne das irgendetwas gravierendes passiert wäre. Bisschen Blut abgezapft, das war es dann. Wenn es nicht bei Dienstag geblieben wäre, hätte ich wohl noch mehr Ärger gemacht. Das wollten sie sich offenbar ersparen, denn bei Dienstag blieb es dann auch. Immerhin hatte ich so Gelegenheit, mir über das Wochenende die Münchner Innenstadt anzusehen und einige alte Bekannte wieder zu treffen. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich als TransFrau angemeldet wurde und erst überhaupt kein Bett für mich frei war. Dafür mußte dann einer aus der Münchner Region für zwei Tage wieder nach Hause... . Also am Montag Abend war dann OP-Vorbesprechung bei irgend so einem jungen Arzt. Abgesehen davon, dass mich sowieso schon alle gefressen hatten, weil ich mich beschwert hatte, dass ich so lange auf die OP warten mußte, war dieser wirklich die Unfreundlichkeit in Person. Als er wie selbstverständlich erklärte, wie sie alles zunähen werden, meinte ich, dass Dr. L. aber meinte, das der Verschluß gar nicht sein muß. Da ist dieser junge Arzt doch glatt fast vom Stuhl gefallen: "Wollen Sie Mann werden, oder was?! Beides geht ja wohl nicht. Entweder alles oder nichts. Was denken sie sich denn eigentlich. Sie wollen doch kein Monster sein." Das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was er von sich ließ. Daraufhin habe ich mich geweigert auch nur noch ein Wort mit dem zu reden und wollte Dr. L. persönlich sprechen. Irgendwie haben sie das dann nach Feierabend auch noch hingekriegt. Natürlich hat Dr. L. alles versucht runterzuspielen: "Der ist noch ganz neu, der kennt sich noch nicht aus. Es ist doch ihre Sache, was sie wollen." Er entließ mich mit den Worten, das er es ohne Zunähen probieren würde. Aber wirklich überzeugt hat er mich nicht. Hatte eher das Gefühl, er sagt das nur, um mich zu beruhigen. Zu diesem Zeitpunkt war ich das erste Mal drauf und dran, meine Koffer zu packen und wieder nach Hause zu fahren. Bis zu diesem Zeitpunkt ist eigentlich nicht viel glatt gelaufen. Die Schwestern waren völlig überfordert und nicht wirklich freundlich (von einigen wenigen Ausnahmen mal abgesehen). Wenigstens waren sie so professionell sich kein einziges mal zu versprechen oder mich sonst wie zu verraten. Zeitgleich mit mir war ein Cis-Mann auf der Station, der sich nach der Unterarm-Methode einen neuen Penis konstruieren ließ, da seiner abhanden gekommen war. Wie das passiert ist, weiß ich allerdings auch nicht. Hatte keine Gelegenheit mit ihm zu reden. Gut aber irgendwie war mir dann doch alles egal und ich bin geblieben. Schlechter konnte es eigentlich nicht mehr werden. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich meine Unterlagen für meine Dr.-Arbeit dabei hatte. Bei irgendeiner Visite hat das ein Arzt entdeckt und seitdem war es wohl ganz vorbei. Ich weiß ja nicht was die da für ein Bild von uns haben/hatten, aber offenbar trauen sie uns nicht zu, dass auch wir beruflich erfolgreich sein können. Jedenfalls sah ich in unendlich viele ungläubige Gesichter und danach kamen laufend irgendwelche Sticheleien in diese Richtung. *grummel* Am nächsten
Morgen gab es dann dieses tolle Schlafmittelchen und seitdem weiß
ich nicht mehr viel. Wie man mir hinterher erzählte, gab es wohl
noch einen mehr oder weniger lustigen Zwischenfall. Irgendwer hat die
Namen vertauscht und anstatt mich zum OP zu schicken, wurde mein Bettnachbar
frühzeitig runtergeschickt ( wohlgemerkt kein Trans* - -Patient!!!). Gut damit
war das also auch geklärt und ich bin auch tatsächlich unters
Messer gekommen. Irgendwann bin ich dann aufgewacht. Ob mit Schmerzen
oder nicht, weiß ich nicht mehr. Die hatte ich in den Tagen danach
jedenfalls mehr als genug. Abends kam dann der Doc und meinte es wäre
alles super gelaufen. Logischerweise hatte er, wie ich es mir schon dachte,
alles zugenäht. Am nächsten Tag bin ich das erste Mal aufgestanden. Ich bin gelaufen, als wenn ich volle Windeln anhätte. Die Schmerzen hielten sich aber beim Gehen in Grenzen. Im Liegen war es schlimmer. Komplikationen gab es aber keine und eine Woche später kam der Katheder raus. Einen Tag danach durfte ich nach Hause fahren. Konnte noch fast zwei Wochen kaum laufen, und in den ersten Tagen hatte ich auch zwei Fisteln. Warum auch immer sind diese tatsächlich noch zugewachsen, so dass heute alles perfekt ist. Eine Harnwegsentzündung bekam ich dann noch als ich wieder zu Hause war. Diese hat sich auch recht lange hingezogen. Bestimmt 2 Monate. Am Abend bevor ich nach Hause durfte meinte Dr. L.: "Wir sehen uns dann in einem halben Jahr wieder. Daraufhin wiederholte ich, dass ich nicht wiederkomme. Er wollte es einfach nicht glauben. In dem Gespräch merkte ich dann auch, dass das wohl ein weiterer Grund war, weshalb mich da alle für einen Alien hielten: Trans*- Patient, keinen Verschluss, kein vollständiger Aufbau, beruflich erfolgreich, eine feste Freundin die auch vor Ort war. Das konnte einfach alles nicht sein. Das passte wohl nicht in deren heile Welt. Ansonsten habe ich keine Ahnung was deren Reaktionen bedeuten sollten. Bei der Nachuntersuchung 6 Wochen später, wieder das gleiche. Und, wann geht es weiter? Gar nicht! Sind Sie sich sicher? Ja! Na ja, sie müssen es ja wissen, aber wenn es so weit ist, wissen sie ja an wen sie sich wenden können... . Heute kann ich über das meiste lachen. Ist ja doch schon fast ein halbes Jahr her. Damals war ich ganz schöne sauer. Anfangs hatte ich auch Schwierigkeiten mit der OP-Methode. Er versicherte mir, dass Sie die gleiche Methode anwenden, wie die Holländer. Heute weiß ich es besser. Es ist nämlich nicht ganz so. Dann hätte die Schnittführung zur Freilegung der Klit etwas anders aussehen müssen. Dadurch wird optisch nicht die voll mögliche Größe erreicht. Zumindest was den nicht erregten Zustand angeht. Ein großer Teil wird durch die Schamlippen dann noch verdeckt. Andererseits sage ich mir heute: Es ist eigentlich auch egal. Selbst wenn er alles Denkbare gemacht hätte, würde ich nicht "unten ohne" öffentlich duschen gehen. Ich habe dadurch also so gesehen keine zusätzlichen Einschränkungen im Leben. Die Vorteile sind trotzdem da. Es funktioniert alles so wie es sein sollte. Fazit:So, ich hoffe
ich habe jetzt nicht zu viel Antiwerbung für München gemacht.
Die Ärzte sind alles perfekte Handwerker. Da kann ich mich echt nicht
beklagen. Es ist alles perfekt verheilt. Und das drumrum ist ja nur für
die kurzen zwei Wochen. Das vergißt man danach alles sehr schnell
wieder. Man behält ja keine bleibenden Schäden. Vielleicht wird
man ein wenig gaga, aber das gibt sich bald wieder! ;-))) ( Mit freundlicher Genehmigung des Autors, der anonym bleiben möchte ) |