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von Carlo
27. November 2002
Da ich die Zusage der Kostenübernahme meiner Beihilfestelle mittlerweile
seit 3 Wochen hatte und augenscheinlich auch die PKV endlich einsieht,
dass die Entfernung meiner Brust medizinisch not-wendig ist, machte ich
den nächsten Schritt - ich möchte die nächste Ärztin
kennen lernen, die diese OP bei Transmännern macht. Warum sollte
ich bis nach Troisdorf fahren, wenn es möglicherweise auch in Berlin
- Lichtenberg geht?
Frau Dr. K. war mir auf Anhieb sympathisch. Ich hatte den Eindruck, dass
sie sehr genau weiß, wovon sie spricht. Fast alle meine Fragen beantwortete
sie, ohne dass ich diese gestellt hatte. Sie sah sich dann das Ärgernis
auch an und sprach mir aus dem Herzen als sie meinte: "Nein so können
sie kei-nesfalls baden gehen!" Bisher hatte ich eher zu hören
bekommen - "Was willst du denn da noch wegmachen lassen?" Rein
medizinisch war schnell geklärt, dass die Brustwarzen gekürzt
werden und durch zwei winzige Schnitte Überflüssiges abgesaugt
werden soll. Natürlich unter Vollnarkose, aber 2-3 Tage stationär
sollten da reichen. Ich solle einfach 2-3 Wochen vor meinem Wunschtermin
anrufen und einen genauen Termin vereinbaren. Das macht die Stationsschwester.
Mitzubringen bräuchte ich nur mich. Die Verwaltung hat natürlich
sehr gerne Kostenübernahmeerklärungen, aber auch Selbst-zahler
werden genommen.
Nach diesem Gespräch und einem Telefonat mit meiner Mutter stand
für mich fest - noch einen Sommer warte ich doch nicht ab. Als es
dann auch auf der Arbeit im neuen Jahr nach gravierenden Umstellungen
aussah, holte ich mir noch vor Weihnachten einen Termin für die Winterferien.
3. Februar 2003
Gegen 8:00 Uhr war ich im Krankenhaus, immer noch mit dem Gedanken: Wer
weiß, was noch da-zwischen kommt. In diesen Gedanken hinein sprach
mich Fr. Dr. K. an: "Wäre es für sie sehr schlimm, wenn
wir sie erst am Mittwoch operieren würden?" Mein Gesicht muss
Bände gesprochen haben. Nach der OP - Plan - Besprechung stand dann
aber fest, dass ich bleiben könne und am Dienstag operiert werde.
Also konnte ich in die zentrale Aufnahme spazieren. Da mein einweisender
Arzt immer beide Namen (m/w) benutzt, fragte man sehr entgegenkommend,
unter welchem Namen ich denn bei meinem jetzi-gen Aufenthalt geführt
werden möchte. Natürlich unter dem männlichen - macht doch
auf einer gynä-kologischen Station viel mehr Spaß! Mit vielen
Papieren ausgerüstet, ging es zurück zur Station.
An diesem Tag wartete ich viel - auf die Aufnahme durch die Schwester
mit Blutabnahme, auf mein Einzelzimmer, auf das Aufnahmegespräch
mit der Stationsärztin, auf das Essen, auf den Anästhesis-ten....Ein
Freund und eine Kollegin verkürzten mir nachmittags die Zeit. Das
hinderte aber meinen Blutdruck nicht, sich irgendwo bei 190/100 rumzutreiben.
Da half nur die angebotene Schlaftablette zeitig zu nehmen, um zu schlafen.
4. Februar 2003
Um 6:30 Uhr hatte ich noch einen normalen Blutdruck, aber nicht mehr
lange. Fiebermessen, duschen und die nächst Blutdruckmessung sagte
schon 160/90. Na das konnte ja noch heiter werden. 7:30 - Chefarztvisite.
Meine einzigste Frage - wie hoch kann eigentlich der Blutdruck steigen,
ohne Schaden anzurichten? Kurz darauf erhielt ich die hübsche OP
- Kleidung, wurde gründlichst rasiert und erfuhr, dass ich an 3.
Stelle gerückt sei.
9:30 Uhr - Fr. Dr. K. kam selbst - schon ganz im schicken Blau. Sie malte
sich das "Absaugmuster" auf meine Brust - im Liegen war ja bei
mir wirklich kaum was zu sehen. Die LMAA - Pille durfte ich aus ihrer
Hand nehmen und in mein Hemdchen half sie mir auch noch. Mich hat es unheimlich
beru-higt, dass sie das alles selbst tat.
Ich bin dann wohl eingeduselt - plötzlich wurde es hektisch. Mein
Bett wurde in den OP geschoben. Flexüle in ein Gefäß auf
dem linken Handrücken, irgendwas recht rabiat eingespritzt, fix auf
den OP - Tisch, eine Uhr an der Wand zeigte 11:15 Uhr. Arme links und
rechts zur Seite. Wie am Kreuz - das war der letzte Gedanke.
Eine Stimme wollte unbedingt wissen, ob ich Schmerzen hätte - dabei
hatte ich Mühe fest zu stellen, ob ich überhaupt einen Körper
habe. Eine verzögerte Antwort wurde als "ja" gewertet und
schon be-kam ich eine Spritze. Zwischenzeitlich versuchte ich den Wecker
auf meinem Nachttisch zu erkennen - 14:30 Uhr. Gegen 16:00 Uhr war ich
immerhin so munter, um das Auslaufen meines Tropfes selbst überwachen
zu können. Ich war aber froh als der zweite hing und ich weiter schlafen
konnte.
Um 17:00 Uhr wurde ich wach, weil ich mal musste. Also klingeln. Die
Schwester machte mich vom Tropf los und ich dachte - ach du Schreck, die
Bilder an der Wand schwanken wie im Sturm und die Toilette ist weit. Also
los - aufsetzen - danke liebe Bauchmuskeln. Beine über den Bettrand,
Latschen angeln, aufstehen, Bademantel an und los. Ich krallte mich links
an die Schwester und rechts an die Laufstangen im Flur. Und das zur besten
Besuchszeit! Aber wenigstens gab es keinen Zwischenfall und nach ca. 10
Minuten lag ich wieder im Bett.
Ich habe sogar versucht Abendbrot zu essen. Bettende hoch und Stulle
geschmiert. Nach jedem Biss bin ich wieder eingeschlafen, so dass ich
nach einer Stunde kaum eine Stulle geschafft hatte und aufgab. Die Schwester
sah regelmäßig nach mir und ich machte regelmäßig
die Kontrolle, ob die Bil-der noch schwankten.
5. Februar 2003
Nachts um 3:30 Uhr hingen sie endlich still. Das nutzte ich sofort aus,
um mir vom Gang etwas zu trinken zu holen, die Zähne zu putzen, das
Wichtigste des Tages auf Papier fest zu halten und siche-ren Schrittes
zum WC zu wandern. Die eine oder andere Patientin fühlte sich durch
mich in den Toilet-ten etwas irritiert. Mit einem Lächeln konnte
ich nur immer wieder sagen, dass es ja nur Damen - WC's auf der gynäkologischen
Station gäbe. Ich hätte doch zu gerne gewusst, was die Frauen
so über mich gedacht haben - grins.
Dieser Tag war mir von Fr. Dr. K. zum Ausruhen verordnet worden, was
ich auch gewissenhaft tat. Lesen, Essen, Nickerchen. Den Verband hatte
Fr. Doktor wieder selbst gewechselt. Dieses Mal durfte ich 5 Kügelchen
Arnika aus ihrer Hand nehmen - soll gut gegen Ödeme sein, wenn man
sie unter der Zunge zergehen lässt. Schmerzen hatte ich kaum. Bei
Berührung tat die OP - Gegend so weh wie es eben schmerzt, wenn man
blaue Flecke hat. Viel schlimmer war das zu weiche Bett - davon tat mir
mein Kreuz mächtig weh. Alles Gute ist eben nie beisammen.
Nachmittags besuchten mich meine Kinder. Wir spazierten zum Sanitätshaus
auf dem Krankenhaus-gelände, um zu klären wie ich am schnellsten
zu einem maßgeschneiderten Bolero komme. Für einen Kaffee und
Eis in der Cafeteria reichten Zeit und Kraft auch noch.
Das Schönste des Tages war ein Gespräch mit Fr. Dr. K. am Abend
(hoch lebe der Nachtdienst). Mei-ne Fragen zur OP wurden als erstes abgehandelt
- es sind nur 4 Nähte - an jeder Brustwarze eine und links bzw. rechts
in der Falte unter der Brust je eine - dort wo der Sauger durch musste.
Die Näh-te lösen sich selbst auf - kann aber bis zu 2 Monate
dauern. Eine Woche nach der OP kann ich aber sicher wieder baden. Duschen
kann ich mit entsprechendem Pflaster gleich nach der Entlassung. Ganz
wichtig ist der feste Verband bzw. der Bolero. Dadurch sollen die inneren
"Hautschichten" wie-der miteinander verwachsen. Ich werde ganz
brav die 6 Wochen durchhalten - soll doch vernünftig aussehen, wenn
es fertig ist!
Dann habe ich sie noch ein wenig ausgefragt. Sie macht immer Brust -
OP und Entfernung der Ge-bärmutter einschließlich Eierstöcke
gleichzeitig, wenn es gewünscht wird. Das Belastendste an der OP
ist die Narkose. Die hat man dann ja nur einmal. Die Schmerzen hat man
auch gleichzeitig, so dass evt. notwendige Schmerzmittel auch weniger
sind.
Die Entfernung der Eierstöcke empfiehlt sie auch, weil ein Organ,
welches in seiner Funktion einge-schränkt ist, eher zu Entartungen
seiner Zellen neigt. Bösartige Geschwüre der Eierstöcke
sind bei Frauen nach der Menopause auch häufiger. Und diese Krebsart
erkennt man meistens zu spät, weil es kaum Symptome im Frühstadium
gibt. Spricht also viel für eine Entfernung auch wenn man die Personenstandsänderung
nicht vor hat.
Als OP - Methode empfiehlt sie eine kombinierte Variante. Laparoskopisch
(also durch kleine Ein-schnitte) wird durch die Bauchdecke alle gelöst,
was Gebärmutter und Eierstöcke hält. Die Entfernung erfolgt
dann durch die Scheide, wenn dort genug Platz ist.
6. Februar 2003
Das Frühritual kannte ich inzwischen. Nach der Visite mit Anweisungen
für meine Entlassung frühs-tückte ich in Ruhe. Die Sachen
waren schnell gepackt.
Dann wurde es schmerzhaft - das Pflaster musste ab. Die Schwester arbeitete
und ich war schweiß-gebadet. Ein erster Blick auf den neu gestalteten
Bereich - hurra, die Brustwarzen sind weg. Durch das Wundwasser sieht
der Rest bei mir eher wie ein "Aufbau" aus - hatte mich Fr.
Dr. K. schon vor-gewarnt. Aber so schlimm fand ich es gar nicht. Zu diesem
Zeitpunkt war der Bereich auch noch fast hautfarben. Neues kleines Pflaster
und Verband - fertig.
Ich bekam gleich noch den Termin für die erste Kontrolluntersuchung.
Kurz darauf war auch der Arzt-brief und die Aufenthaltsbescheinigung fertig.
Um 9:16 Uhr verließ ich die Station.
Im Sanitätshaus lieferte ich das Rezept für das "Kompressionsjäckchen
nach Maß" ab und wurde vermessen.
Meine Kinder holten mich ab und mit dem Bus ging es die paar Haltestellen
nach Hause.
Eines steht für mich fest - sollte ich mich für die nächste
OP entscheiden, werde ich wieder zu Fr. Dr. K. gehen.
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