Mein langer Weg zur Mastektomie

 

Ein ausführlicher Bericht von Phil

Die 1. Etappe zum großen Ziel...

Im Jahr `99 habe ich das erstemal einen Antrag, für eine Kostenübernahme einer geschlechtsangleichenden OP gestellt, bei meiner damaligen KK (HEK).
Da ich zu der Zeit eine komplett OP machen lassen wollte und das auch noch bei Dr. Daverio in Potsdam, ist es gleich erst mal von der KK abgelehnt worden. Der Einspruch auf die 1. Ablehnung, wurde auch beim 2. Anlauf abgelehnt, mit der Begründung, das eine Transsexualität bei mir nicht vorliegen würde, (ohne das ich je zu einer Begutachtung der KK war). Ein langer Kampf zwischen mir und der HEK begann. Sie genehmigten keine OP.

Nachdem ich ja nun Probleme mit der HEK hatte, entschloss ich mich dann, die KK zu wechseln.

Als ich dann soweit meine Probleme in den Griff hatte, habe ich 2001 einen zweiten Anlauf gestartet. Ich habe Mitte des Jahres, einen Antrag auf Kostenübernahme bei meiner KK (AOK) eingereicht und nach einer gewissen Zeit, bekam ich dann auch einen Termin von der KK für den MDK. Anfang Dezember hatte ich dann meinen Begutachtungstermin beim MDK, da lief alles bestens, die Dame, die mich ausfragte, war sehr nett und sie hatte auch Erfahrung mit TS, es ging alles ziemlich locker ab. Nach einer dreiviertel Stunde war dann alles durch und ich frage sie gleich, wie denn ihr Urteil ausfallen würde und ohne zu zögern sagte sie mir, das sie einer Kostenübernahme nun zustimmt, da es bei mir eindeutig sein würde.

Ich habe dann natürlich sehnsüchtig auf den Brief meiner KK gewartet. Als dann nach ein paar Wochen nichts kam, fing ich an bei der KK anzurufen, bzw. zu schreiben, um mal nachzuhaken, wie weit die mit dem Antrag sein. Anfang Feb.02 habe ich dann endlich ein Brief meiner KK bekommen, wo dann drinstand, das sie die Kosten für die OP übernehmen werden.

Übers Internet habe ich von Dr. Kampmann gehört, und natürlich nur gute Sachen, so stand es dann fest, das ich meine Mastektomie bei ihn machen lassen will.
Nachdem ich nun endlich die Bewilligung der Kostenübernahme in der Tasche hatte, habe ich mich gleich rangesetzt und Dr. Kampmann einen Brief geschrieben, um einen Termin für die OP zu bekommen. Nach ein paar Tagen bekam ich dann ein Anruf aus Troisdorf, Dr. Kampmanns Sekretärin war dran, die sagte mir, das ich am 26.2.02 zu ihnen kommen könnte, da jemand anderes sein Termin absagen musste. Sie meinte noch, das ich es mir ja noch überlegen könnte, aber nicht zu lange, aber das brauchte ich nicht, ich habe gleich zugesagt, so eine Chance lässt man sich doch nicht entgehen!!! Ich habe dann ausgemacht, dass ich so ca. um 11°°Uhr da sein würde, da mir die Sekretärin sagte, das eigentlich Aufnahme zwischen 8°° -10°° Uhr sei, aber bei Leuten die von weiter her kämen, würden sie eine Ausnahme machen.

Am Dienstag den 26.2. um 4:30 Uhr ging es dann hier los, eine lange Bahnfahrt stand mir bevor. Um 9:50 Uhr bin ich dann endlich in Köln angekommen und wie sollte es anders sein....... die Bahn Richtung Troisdorf hatte Verspätung, aber..... trotz alle dem habe ich es noch geschafft, so halbwegs pünktlich in St. Josef anzukommen.
Ich war schon einwenig aufgeregt, nicht nur wegen der OP, auch weil ich wusste, das ich nicht alleine sein werde, denn Carsten W. und Philipp H. waren auch da, wegen einer Korrektur OP. Carsten W. kannte ich ja nun schon aus dem Internet und ich war mächtig gespannt, was mich da wohl erwartet. Aber als erstes kam die Aufnahme, Zuweisung auf die Station 8B, Anamnese, Blutdruck messen, Puls, Blutabnahme, dann ging es auf das Zimmer 809, da war dann schon Carsten., Philipp war schon im OP.

Nach dem Mittagessen ging es dann los, als erstes kam eine Ärztin, die fragte mich dann auch noch so einige Sachen und klärte mich so über die OP auf, dann ging es runter "zum Meister" ,zu Dr. Kampmann zum Gespräch, er war sehr nett und freundlich. Er wollte mir erzählen, wie die OP verlaufen wird, aber als ich ihm sagte, das ich den Bericht von Carsten im Net gelesen habe, sagte er nur, " na dann brauche ich ja nicht mehr viel sagen und auch keine Skizzen machen", denn der Bericht von Carsten wäre ja so gut, besser könne er das auch nicht beschreiben. Dann malte er mir noch das Schnittmuster auf den Warzenhof auf und machte Bilder, er sagte dann noch, das ich am Morgen als zweites dran kommen würde. Danach ging es dann gleich zur Anaestesistin, kurzes Gespräch und danach war dann erstmal alles soweit durch.

Als ich dann wieder auf das Zimmer kam, war Philipp auch da, zwar war er noch ziemlich benebelt, aber das gab sich mit der Zeit. Wir waren eine nette Runde, wir hatten viel zu erzählen und es gab viel zu lachen.
Am Abend kam dann die Nachtschwester, die gab mir eine Tablette, damit ich auch schlafen kann, diese hat auch schnell ihre Wirkung gezeigt, ich habe tief und fest geschlafen.

Am nächsten Morgen kamen die Schwestern zum Wecken, Aufregung kam langsam in mir hoch, ich machte mich dann langsam fertig und schlüpfte in mein OP-Gewand, ‚totschickes Outfit'. Um ca. 9°° Uhr kam die Schwestern um mich nach unten zu bringen in den OP, alles ging ziemlich schnell, ehe ich mich versah, lag ich schon auf dem Tisch und ich wurde auf die Narkose vorbereitet. Als sie die Maske über mich hielten, wo ich tief durchatmen sollte, ging es ganz schnell und ich war im Land der Träume.
Irgendwann am Nachmittag bin ich dann kurz wach geworden, ich war an einem Tropf und im Tran sah ich noch, das Philipp u. Carsten Besuch hatten und das eine Rose auf meinem Nachtschrank stand, die war von meiner lieben Frau, ich bin aber gleich wieder so halbwegs eingenickt. Ach ja, ich hatte auf der linken Brustseite noch einen dicken Sandsack, welcher verdammt schwer war.
Als ich am späten Nachmittag richtig wach wurde, habe ich erst einmal unter meine Decke geguckt, aber außer einem dicken Verband und vier Schläuchen die aus dem Verband kamen, sah ich nicht viel. Als ich dann endlich wieder auf meinen Beinen stand, habe ich als erstes mein schickes OP-Gewand ausgezogen, ich muss sagen, mir ging es soweit ganz gut.

Am nächsten Tag war dann erst einmal Visite, große Vorführschau, vor all den Ärzten, aber mein Verband blieb erst einmal dran, der sollte erst ab, wenn die Dame vom Sanitätshaus kommen würde, wegen dem Bolero. Am Nachmittag war es dann soweit, die nette Dame war da und der Verband wurde abgemacht, voller Erwartung sah ich zu, wie sie den Verband abmachte und im ersten Augenblick war großes Staunen angesagt, denn die linke Brustseite war ziemlich dick, Philipp und Carsten guckten auch nicht schlecht, aber die rechte Seite, sah sehr gut aus. Gegen Abend kamen die Schwestern noch mal rein und ich bekam noch mal einen strammen Verband, wegen des Blutergusses in der linken Brustseite.
Am Freitag wurden dann die Schläuche auf der rechten Seite gezogen und ich wurde den lästigen Verband los, es reichte nun aus, den Bolero zu tragen. Philipp und Carsten wurden an dem Tag auch entlassen, Carsten wurde schon am Morgen abgeholt und Philipp am späten Nachmittag. Ich bekam dann ein Einzelzimmer, den Nachmittag habe ich mich noch ganz gut mit Philipp unterhalten, bis er dann abgeholt wurde. Nun war ich alleine, es war schon ein komisches Gefühl, aber ich bekam am nächsten Tag von Carsten und Nicky Besuch, die brachten mir ein grossen Obstkorb und ein paar Klamotten, da ich nicht so viel eingepackt hatte, weil ich damit rechnete, das ich auch nur ein paar Tage da bleiben würde, aber die wollten mich noch nicht los werden, ich sollte erst einmal noch über das Wochenende da bleiben, da ich ja noch die Schläuche auf der linken Seite hatte. Es wurde mir ein Schlauch am Wochenende gezogen, einer sollte noch drin bleiben, da es immer noch nachblutete. Carsten kam oft noch vorbei auch mit Ralf zusammen und auch mit Nicky, ich habe mich sehr darüber gefreut, somit war es dann doch erträglich da, aber ich muss auch sagen, das die Schwestern und auch die Ärzte sehr nett waren.

Montag morgen war dann große Visite, mit dem Meister, der sagte dann, das der letzte Schlauch auch gezogen werden kann und ich entlassen werde könnte, denn der Rest würde sich von selber geben. Fr. Dr. Ebert kam dann später, um mir den Schlauch zu ziehen und um noch mal per Ultraschall auf die Brust zu schauen. Abends kam noch Carsten, um sich zu verabschieden, da ich ja nun am nächsten Tag nach Hause durfte,
es war ganz toll.
Dienstag morgen war es dann soweit, Fr. Dr. Ebert kam, schaute sich das alles noch mal an und machte Fotos, und da es noch aus dem Loch nachblutete, gab sie mir noch Verbandsmaterial mit, sagte aber, das es sich von selber gibt nach ein paar Tagen und die Schwellung und der Bluterguss auch, es sollte halt nur ab und zu nach gesehen werden, von meinem Doc vor Ort. Sie verabschiedete sich bei mir und wünsche mir alles gute, ich bin noch zu den Schwestern gegangen um mich von den zu verabschieden und mich für die wundervolle Pflege zu bedanken. Dann ging es gegen 9°° Uhr wieder Richtung Heimat.

In Hamburg wurde ich dann vom Bahnhof, von Tati ,abgeholt, meiner Frau. Es war ein freudiges Wiedersehn, nach einer Woche, das war eine lange Zeit für uns. Als wir dann endlich zuhause waren, hatten wir viel zu erzählen und ich habe erst mal das OP-Ergebnis präsentiert, na ja erst einmal schaute sie nicht schlecht, wegen der lädierten linken Seite, es war für sie ja nun auch etwas neues. Am Anfang waren noch Berührungs- ängste da, aber das legte sich mit der Zeit. Als ich dann am nächsten Tag zu meiner Hausärztin ging, schaute sie erst einmal, da ich ihr nicht gesagt hatte, das ich unters Messer komme, sie schaute erst skeptisch wegen der linken Seite, da es immer noch etwas blutete und sie der Meinung war, das es nicht normal sei, ich musste dann auch am nächsten Tag bei ihr auftauchen, weil sie es beobachten wollte, aber da sagte sie nur, das ich ins Krankenhaus sollte, damit die das da zu machen. Ich bin nicht ins Krankenhaus gegangen, ich habe mich mit dem St. Josef noch mal in Verbindung gesetzt, und Fr. Dr. Ebert rief mich an und meinte nur, das es sich wie schon gesagt, von selber geben würde. Am Freitag hat es dann auch endlich aufgehört mit Bluten, aber die Seite war immer noch ziemlich dick. Ich hab` erst einmal weiter abgewartet, aber nach dem sich nun nach gut 3 Wochen (22.3.), keine Verbesserung ergab, bin ich zum anderen Doc gegangen, da meine Ärztin kein Ultraschall hat, damit sie mal per Ultraschall nachschauen sollte, ob denn noch alles ok sei, aber die schaute nur drauf und meinte, das ich lieber zum Chirurgen gehen sollte, um es evtl. punktieren zu lassen. Sie rief auch gleich bei einen Chirurgen an und machte eine Überweisung fertig. Ich bin dann gleich dort hingegangen, der Doc sah sich das an und sagte, das es besser sei, wenn es punktiert wird. Er hat dann noch gut 100ml Flüssigkeit ( alter Bluterguss und Lymphflüssigkeit) rausgeholt und es war erstaunlich, die linke Seite war nun genau so flach wie die rechte, war das ein tolles Gefühl. Der Doc meinte aber, das es sein könnte, das sich erneut Flüssigkeit bilden könnte und es noch mal punktiert werden müsse, aber das war mir in dem Augenblick egal, da es ja nun kein Akt sei. Am 25.3. war ich dann noch mal bei dem Doc, zur Kontrolle, es hat sich natürlich wieder etwas Flüssigkeit in der linken Seite angesammelt, aber das war so gering, das es nicht punktiert werden müsse, er meinte auch noch, das es nicht so gut sei, es ständig zu punktieren, wegen der Infektionsgefahr, na ja, wie gesagt, so doll war das ja auch nicht und eine richtige Männerbrust ist ja nun auch nicht flach wie ein Brett. Ich muss zwar noch zum Doc, zur Kontrolle, aber ich denke, so viel wird sich da auch nicht mehr tun.
Ich bin sehr Zufrieden mit dem Ergebnis, Dr. Kampmann & Co haben mir eine große Last abgenommen und dieses hat er hervorragend gemacht, ich bin allen mehr als nur dankbar dafür, ich kann gar nicht genügend danken dafür und nette und super Leute (Carsten , Philipp .........und alle anderen) habe ich auch kennen gelernt.

Nun warte ich auf die Dinge, die noch so auf mich zukommen könnten und warte sehnsüchtig auf meinen nächsten Termin in Troisdorf um auch Carsten und Co wieder zu sehen und natürlich die ganzen anderen netten Menschen im Krankenhaus (Schwestern, Ärzte und auch Kampi).

Phil

 

Photos zu diesem Bericht findet Ihr im Schutzbereich unter Mastektomie Troisdorf 4

 


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