Der lange Weg zur Mastektomie

Teil 1

 

Ein Bericht von Philipp H./ Düsseldorf



Es war (und ist) ein langer, weiter Weg: der Kampf um die Zusage der Kostenübernahme zu einer Mastektomie. Doch angesichts des Ergebnisses, welches ich und ein weiterer (Leidens-) Genosse namens Carsten, erleben durften - nein, dürfen!! - stellt sich nimmermehr die Frage " . . ob sich das wohl lohnt?"!

Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann ich begann, mir Hoffnungen auf diesen Eingriff zu machen... .

Mein erster Besuch bei Dr. Kampmann lag bereits ein Jahr zurück ( September 1999 ) und für mich stand fest: dieser Eingriff wird von niemand anderem vorgenommen werden, als von Dr. Kampmann!

Wenn ich mich recht entsinne, stellte ich meinen ersten Antrag bei meiner Krankenkasse hierzu auch schon zu diesem Zeitpunkt - je früher, desto besser (dachte ich mir). Es war die Zeit, in der ich arbeitssuchend (wie es so schön vom Arbeitsamt bezeichnet wird) in den Tag hinein lebte. (Jetzt muß ich leider etwas in meine Vergangenheit ausholen, aber keine Angst, ich fasse mich kurz und es ist gleich vorbei . .!):

Die ganze Kiste ist wie die Katz´, die sich in den Schwanz beißt. Ich hatte ursprünglich den Beruf im Einzelhandel erlernt (Baumarkt), in ein Sporthaus gewechselt und - huch, da kamen plötzlich diese Rückenbeschwerden. Na, wenn das mal nicht daher kam, daß ich aus Scham um meinen weiblich geformten Oberkörper stets mit den Schultern nach vorne kippte. Dies tat ich zwar schon seit meinem 12. Lebensjahr, aber nicht unter der täglichen, körperlichen Belastung, welche dieser Beruf eben mit sich bringt. Um bei der Kurzversion zu bleiben: ich mußte den Beruf aufgeben und sollte ins Büro wechseln. Nach einigem Hin und Her stand fest: Anfang 2000 beginnt für mich eine 2jährige Umschulung zum Mediengestalter.
Dies sollte der Neustart in mein neues Leben werden.

Das Verfahren zur Vornamens- bzw. Personenstandsänderung lief seit Mai ´99 und so ließ ich bereits überall dort, wo möglich und erforderlich meine namentlichen Daten auf Philipp angleichen. Ich war positiv überrascht, daß es keinerlei Probleme oder zeitliche Verzögerungen gab. Das war recht ungewöhnlich und so hegte ich noch kurze Zeit ein argwöhnisches Mißtrauen und wartete auf den "Wurm am Haken" . . doch der blieb erfreulicher Weise aus. Lange Rede, kurzer Sinn: meine Umschulung lief auf meinen neuen Namen und um keinerlei Identitäts-Probleme in der Gruppe zu bekommen, nicht geoutet oder sonst irgendwie anders als andere behandelt zu werden, stellte ich den Antrag auf Kostenübernahme zur Mastektomie. Ich wies auf meine Situation hin, daß ich in der Gruppe von Anfang an nur als Philipp bekannt bin und möchte, daß das auch so bleibt, wenn es wärmer wird und die Kleidung leichter. Mir lag zu dieser Zeit jedoch nur das erste von zwei zu erstellenden Gutachten für die Namensänderung beim Amtsgericht vor und so fügte ich eben dieses sowie zwei Indikationen hinzu ( eines kam von Dr. Kampmann selber, eines von meinem Endokrinologen Dr. Lippe).

Erst hörte ich lange Zeit nix, dann hieß es, ich möchte bei Erhalt des zweiten Gutachtens zur Namensänderung auch hiervon eine Kopie nachreichen. Dies tat ich auch. Und wieder lange Zeit nix. Nach endlosen Telefonaten und Gesprächen mit einer (Respekt!) von Anfang an sehr bemühten Mitarbeiterin meiner Krankenkasse (BEK), kam es dann endlich zum Termin "im Auftrage Ihres MDKs" mit der Lizenz für das entscheidende Gutachten. Der gute Dr. Behrends, der mich von Anfang an betreute und an entsprechende Ärzte, Psychologen und so weiter vermittelte und bereits eines der beiden Gutachten für das Amtsgericht verfasste, erstellte Anfang August das entscheidende Gutachten für die OP. Nun wurde wieder alles so verdammt eng: mehrmals wies ich darauf hin, daß ab Oktober ein Praktikum der Umschulung beginnt und ich die OP bis dahin unbedingt hinter mich gebracht haben möchte . . .
Ich schrieb ein weiteres mal an Dr. Kampmann und man vereinbarte einen vorläufigen Termin für den 13.09. .. die Uhr tickte.


Würde es klappen?

Optimistisch gestimmt fuhr mein Bruder Ralf mich an diesem Mittwochmorgen nach Troisdorf - noch immer im Ungewissen, nichts schriftliches vorliegen. Nur die mündliche Bestätigung von Dr. Behrends, der sein Gutachten persönlich bei Dr. Banaski vom MDK abgab und erfuhr, ich würde die Zusage hiermit erhalten.
Ich saß um 9 Uhr vor dem Büro von Dr. Kampmann, man fragte mich nach etwas schriftlichem. Ich gab eine Telefonnummer der BEK heraus, unter der die Zusage vorliegen müsse und erhalten werden könne. Ich hörte Telefone klingeln, sah viele Füße hektisch Hin und Her laufen. Doch noch immer war ich im Un-gewissen. Ich wagte es nicht, mich schon darauf freuen zu dürfen, hier zu bleiben, morgen operiert zu werden und endlich wieder. . Nein! Was, wenn es gleich heißt: "Sorry, ohne was schriftliches müssen Sie leider wieder gehen . ." ? Die Zeit wollte einfach nicht vergehen und mit jeder Minute, die man mich da sitzen ließ, kam der hoffnungsvolle Gedanke: "Noch haben Sie dich nicht nach Hause geschickt . .". ..

Um 10:50 Uhr ging dann endlich die Türe auf und ich durfte zu Dr. Kampmann ins Büro. Mein Puls stieg auf 200 - jetzt war ich soooo nah dran! Und dann kamen gleich die erlösenden Worte:

"Wir haben da um 9 Uhr angerufen und erfahren, daß die schriftliche Zusage dort vorliegt. Und eigentlich wollte man uns das auch gleich durchfaxen - aber bisher . . . Wir tun aber jetzt mal einfach so, als sei es schon hier und machen mal alles für morgen so weit fertig!"

Man, mir fielen ganze Felsbrocken vom Herzen! Ich durfte also bleiben!
Fix wurden drei Beweisfotos gemacht und ich bekam ein nettes M zur Markierung der Skalpellstrecke für Morgen auf beide Bergspitzen der Gewebeverpackungen. Nun war ich erleichtert, stolz wie Oskar und überglücklich. Doch das sollte erst der Anfang sein!

Sogleich erfuhr ich, daß mich auf meinem Zimmer auf der Station 3 bereits ein Exemplar gleicher Identitätsprobleme erwarten würde. Es wäre reiner Zufall, daß es uns zum gleichen Zeitpunkt mit gleichartiger Last-Minute-Zusage hierher verschlagen hätte und wir beide wären morgen früh die ersten auf dem OP-Tisch. Nun war ich auch noch neugierig auf meinen Zimmergenossen geworden!

Zuvor wäre ich mit allem einverstanden gewesen:
...schwangeren Frauen,
...älteren Gehgeräts- Ferrari - Piloten,
...alles egal, Hauptsache hier bleiben!

Im Zimmer traf ich dann einen Gleichgesinnten, gleich - gestimmten Carsten, und wir waren keine Minute zusammen und kannten uns doch irgendwie schon seit "ewigen Zeiten". Aus gleichem Holz geschnitzt konnte uns nun nix mehr erschüttern - weder die Aufklärung über Risiken der Narkose oder der OP, noch die Geschichten über die Schläuche und andere Nebenwirkungen.
Hier hatten sich zwei gesucht und gefunden und es war vom ersten Moment an klar:

Wir würden das hier gemeinsam durchziehen!

So wurde unser Zimmer das meist besuchteste, denn hier gab es stets gute Laune, was zu lachen und wir hatten viele Fragen an viele liebe Menschen, die uns nahmen, wie wir sind ( waren ), geduldig waren, Zeit hatten, Ruhe ausstrahlten und selber irgendwie froh zu sein schienen, gut gelaunte Patienten wie uns zu haben. Wir fühlten uns wohl, angesichts der Tatsache, daß dies hier immerhin ein Krankenhaus ist (sein soll), man aber spürt, daß hier alles versucht wird, um einen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Nach einem zum Quatschen in Anspruch genommenen Mittwoch war er auf einmal da:
der Donnerstag Morgen!!!

Sanft wurden wir zeitig geweckt, durften uns sowohl physisch als auch psychisch auf das nun kommende Ereignis vorbereiten.

Carsten wurde abgeholt und ich drückte ihm von nun an ganz feste die Daumen! Gegen 9 Uhr bekam ich meine Tablette und als ich erst gegen 10 Uhr abgeholt wurde, war ich schon - wie erwartet- ziemlich benebelt. Schleifend bewältigte ich irgendwie den Wechsel auf den OP-Tisch, zum Mitteilen, daß nun die eigentliche Narkose eingeleitet wird, wurde ich mehr oder weniger wieder geweckt!
Mit einem "ist mir doch egal, machen Sie doch was Sie wollen . ." verabschiedete ich mich an diesem Morgen aus meinem früheren Leben. - Philipp in Space. -

Meine Erinnerung bis zum Freitag sind sehr vage:

für ein paar Sekunden hörte und sah ich Dr. Kampmann im Zimmer ( Aufwachraum also schon komplett verpennt! ), nahm etwas von Blutverlust bei Carsten wahr - und daß ich dann erst mal so richtig losgelegt hätte. Dr. Kampmann hätte gerade das Skalpell angesetzt, da wäre es auch schon losgesprudelt (- na, da kann man mal sehen, wie gespannt da bei mir alles schon darauf gewartet hat, endlich da raus zu kommen, gelle?)! Der nächste schwache Augenblick ließ mich nur sagen: "Aua, ich habe solche Schmerz..." - weiter kam ich nicht, denn da hingen schon drei Schwestern bei mir und sorgten sich um mich. Wieder Tiefschlaf. Irgendwann griff ich nach einer Banane, die ich mir am Morgen in Griffweite gelegt hatte. Mit mehr oder weniger gebogenem Blickfeld schob ich mir das dadurch rechtwinkelig erscheinende Ding irgendwie zwischen die Kiemen und nach dieser anstrengenden Höchstleistung verabschiedete ich mich bis zum nächsten Morgen.

Ausgeschlafen und wieder voll auf Empfang stehend, nahm ich mit Carsten bei gewohnt bester Laune das wohlschmeckende Frühstück bei Tisch ein und erfuhr erst mal vom zwischenzeitlich Vorgefallenen. Ich begutachtete den strammen Verband, aus dem tatsächlich 4 Schläuche hervorlugten und in vier Flaschen endeten.
Da stand er auch schon wieder in unserem Zimmer: Dr. Kampmann.

Diesmal nahm ich seine Worte auch klar wahr und erfuhr von meinem unerwartet hohem Blutverlust. Daher mein Filmriss vom gestrigen Tage und der Grund für vier statt zwei Sekretflaschen. Doch Dank ausgiebigster Fürsorge und Pflege erfreute auch ich mich an diesem Tage bereits zwar am noch abgebundenen, jedoch erleichtert befreitem Gefühl rund um den Oberkörper. Nachdem der gute Doc sich von unserem erstaunlichen guten Zustand einem Tag nach der OP überzeugte, begutachtete er noch die in Jutebeuteln mit uns transportierten Flaschen und entschied, zwei der vier Schläuche sollen noch diesen Morgen entfernt werden.

Mr. Ungeduld Carsten stellte gleich die nächste, total im Zusammenhang damit stehende Frage: "Wann dürfen wir denn nach Hause?!" Doch die Überleitung in dieses Gebiet schien Dr. Kampmann nicht sonderlich zu überraschen und so nannte er mal "das Wochenende". Dann fiel das Thema noch mal auf die OP an sich zurück:

Carsten und ich verbrachten jeweils 1 ½ Stunden im OP - doppelt so lange wie angenommen -, beide bluteten wir stark (wobei ich hier ganz klar die Führung übernahm) und beide ließen wir auf jeder Seite jeweils 240 gr (!) Gewebe zurück.

Dr. Kampmann betonte, er habe ja nichts an Haut weggeschnitten, aber bereits während der OP habe sich die Haut so weit zurückgebildet, daß man jetzt einfach mal die Heilung abwarten solle. Positiv motiviert und voller Vorfreude warteten wir nun auf die Dame vom Orthopädiegeschäft, die uns mit je zwei schwarzen Westen ( Boleros) beglückte, die wir nun als Halt und Stütze eine lange Zeit als Begleiter tragen dürfen.
Kurz darauf die Stunde der Wahrheit: die Schläuche sollten entfernt werden. Plötzlich mußte Carsten mal dringend "wohin" und so frimelten schon die ersten paar Hände der helfenden Schwester am Klebestreifen meines Verbandes. Nach und nach löste sich Wicklung um Wicklung.

Ich wußte von Carsten, dass die Schläuche angenäht sind und was uns nun erwarten würde. Carsten war mittlerweile wieder zurück, saß auf seinem Bett und verfolgte mit großen Augen das Geschehen um mich. Ich hörte, wie die Ärztin sagte, wir ziehen alle vier Schläuche auf einmal. Mir war alles egal. Ich saß da und hatte die Augen geschlossen. "Ich gucke nicht hin, dann tut´s nicht so weh" waren meine Worte.
Doch die Ärztin sagte: "Ne, ne, ich muß Ihnen da noch was erklären, Sie müssen da jetzt schon mal hinsehen.." Langsam öffnete ich die Augen - und konnte nicht glauben was ich da sah: nichts! Na, ja, nicht ganz nichts, eben vier Schläuche und zwei kleine Wunden - aber kein Gewebe mehr. Und mit mehr hängender Haut hatte ich auch gerechnet. Ich war mindestens so platt wie mein Brustkorb, suchte den Blick von Carsten und konnte nichts sinnvolleres herausbringen als:


"Sie sind weg! Endlich weg! Da ist nix mehr! Ich bin frei!"

Carsten strahlte über beide Backen uns sagte: "Klar, was dachtest Du denn. Du hast ja auch keinen Aufbau bestellt!" Wir mußten alle lachen und meine begeisterten Gedanken waren nur:

Ein kleiner Griff für Dr. Kampmann, ein großer Schritt in meine Freiheit.

Ärztin und Schwester waren auch erst mal freudig überrascht von meiner Begeisterung und so erklärte die Ärztin dann auch, daß sich das Fädchen da vorne jeweils von selber auflösen wird und nur die kleinen Pflästerchen seien zu einem späteren Zeitpunkt noch zu entfernen. Dann schnitt sie die Schläuche durch und Luft entwich mit einem zischen. Plopp, die vier Flaschen waren ab. Jetzt noch die Schläuche. Und da erspähte ich dann auch das Übel, welches bei mir diesen unangenehmen Schmerz auf der linken Seite verursachte: ich muß in meinem tranigen Zustand am vorherigen Tage irgendwie am oberen linken Schlauch gezogen haben, denn der Faden hing schon gut gelockert neben der Sache. Ich hörte die Worte "Und jetzt tief einatmen..", tat wie mir geheißen und zack - war alles vorbei. Rechts war mein Blut mal wieder in großzügiger Spenderlaune und beglückte Bett, Klamotten, Boden - und auch Schwester (Tschuldigung!). Links dagegen war ich endlich vom Druck befreit. Sichtlich erleichtert dankte ich der Ärztin regelrecht und hatte so vom groß vorhergesagten Schmerz nix mitbekommen. Ich war um den Druckschmerz erleichtert und von da an ging es mir saugut!

Beim Anblick von Carsten jedoch verzog sich mein Blick schnell auf ernste Mine: denn nun war er an der Reihe und trotz meines guten Verlaufes dieser "Ziehung" gar nicht angetan von dem, was ihm nun bevorstand. Erst setzte nur heftiges Atmen bei ihm ein und als die Schläuche dann gezogen waren, lief er krebsrot an, sonderte Schweißperlen ab, fing sich bald wieder und mußte lachen.

Wir hatten es geschafft - nun war die schwerste Zeit für uns vorüber. Wir zogen unsere Boleros an, lagen in unsren Betten, genossen die Sonnenstrahlen durch das offene Fenster und unser neues "Ich". Gegen Abend besuchte uns wieder Carstens absolut korrekter Freund Ralf, von dessen Lebenseinstellung sich sicherlich so mancher eine fette Scheibe abschneiden könnte . . . Auf einem Balkon auf unserer Etage saßen wir und amüsierten uns mal wieder kräftig heftig. Und ausgerechnet beim Lachen zieht es manchmal so . . aber Lachen macht ja auch gesund! Und ich kann mich nur wiederholen: dies taten wir mehr als genug!

Am gleichen Abend pochten wieder mal zwei nette Schwestern an unsere Türe, fragten, ob wir noch etwas für die Nacht bräuchten. Vom Medizinwägelchen der Beiden begehrten wir nichts, wir hatten schließlich einander. Aber als ich nach einem "Gute-Nacht-Liedchen" fragte, meinte eine der beiden, oh, je, singen könne sie nicht, aber sie hätte da etwas. Eine Sekunde später flog sie in unser Zimmer. Genau gegenüber meines Bettes war an einem Nägelchen ein Kalender aufgehangen. Über diesen hinweg hing sie einen Hampelmann, der beim Aufziehen eine Gute-Nacht-Melodie zum Besten gibt. Von dieser spontanen Reaktion der Schwester völlig wortkarg, klopften wir uns die Schenkel blutig, daß uns die Tränen die Wangen herunter liefen. Wir schüttelten wir die Köpfe und sagten:
"Das ist jetzt echt nicht wahr . .!"

Es ist Samstag, 16.09,(2 Tage nach der OP!), als wir frisch und heiter aus dem Schlummer geholt werden. Mal wieder von einer gutgelaunten Schwester, die uns wissen ließ, daß sie froh ist, daß wir keine Morgenmuffel sind. Nach dem wie immer guten Frühstück beschlossen wir einvernehmlich, unsere nette, Ärztin ( Frau Ebert ) der Gynäkologie aufzusuchen. Die warf uns ein herzerwärmendes Lächeln zu als sie uns erblickte und bat uns, doch gleich zur ambulanten Wundkontrolle hier zu bleiben. Nichts lieber als das...!
Und dann warf sie auch noch einen erstaunten Blick auf die gut heilenden Wunden, war mehr als zufrieden und stimmte sofort in die umgehende Entlassung ein. Hocherfreut und gutgelaunt knöpften wir die vielen kleinen Häkchen des Boleros wieder zu und folgten der Ärztin zum Ausstellen des Entlassungsscheines. Dort begegneten wir noch einmal der netten Schwester, die uns die Schläuche zog. Eher etwas traurig darüber zu erfahren, daß wir noch an diesem Tage die Klinik verlassen dürfen, wagte sie die vorsichtige Frage, ob sie denn vielleicht auch noch einmal einen Blick . . .

... fröhlich gestimmt willigten wir natürlich diesem Wunsch ein. Eine weitere Schwester bekam dies mit und suchte Anschluß, den wir ihr dann auch gewährten. Jetzt wollte auch unsere Gynäkologin noch einmal dabei sein und so ging es zu fünft noch einmal zum "Freimachen und Begutachten". Alle Häkchen wieder auf, großes Ohhh, alle Häkchen wieder zu.


Carsten und ich schlugen uns freundschaftlich in die Hände als es mit dem Entlassungsschein dann ins Zimmer zum Packen ging. Ich eilte zuvor noch zum Telefon, rief erstmals nach Einlieferung meinen Bruder an, der erst mal erfreut war, von mir, zu hören und auch gleich wieder verwirrt, als ich sagte, er könne mich noch am gleichen Tage abholen. "Wie jetzt, wann jetzt, heute ?!" hörte ich am anderen Ende der Leitung. Voller Vorfreude bestätigte ich dies und mein Bruder Ralf machte sich nebst


meiner lieben Schwägerin Marion auf den Weg. Die Stunden bis zu seiner Ankunft genoss ich noch mit liebevoller Umsorgung beim Relaxen im Bett. Carsten hatte so gegen 13 Uhr die Klinik Richtung zu Hau-
se verlassen und für uns war klar, daß wir nachdem, was wir hier gemeinsam erlebt hatten, den Kontakt auf jeden Fall aufrecht erhalten müssten.

Wir haben den Neustart in unsere Zukunft gemeinsam von Anfang an miterlebt und ich denke, dies wird keiner von uns je vergessen!

Und an dieser Stelle komme ich endlich zu den Oskarverdächtigen Danksagungen, die ich an dieser Stelle einfach einmal schriftlich festhalten und allen mitteilen will:

einmal an Carsten, ohne den ich nicht die gute Laune gehabt hätte, in mancher Situation sicher verzweifelt wäre und der Aufenthalt mindestens eine Woche länger gedauert hätte. Seine korrekten Freunde, die ihn - und somit auch mich - in dieser (kurzen) Zeit dort besuchten und die Zeit so gut es ging verkürzten.

Der genialen Betreuung und Aufklärung in der Klinik, dem tollen Ärzteteam,

allen voran natürlich Herrn Dr. Kampmann. Wir durften selbst erfahren, daß dieser Mann nicht einfach operiert, weil er dafür Geld bekommt und er weiß, "wie es geht" - sondern er weiß, worauf es uns ankommt. Er gibt bei jedem Patienten sein Bestes, um ein optimales Ergebnis zu erzielen und unseren Wunsch, einmal wieder ohne T-Shirt narbenfrei die Natur und das Leben genießen zu können, zu realisieren.

Den ganzen anderen Ärzten, Psychologen, Gutachtern, den auskunftsfreudigen Mitarbeitern der Krankenkasse (auch wenn es meist viel Zeit in Anspruch nahm) - es hat ja letztendlich doch noch so gerade zu diesem Termin hingehauen.

Last but not least möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal ganz, ganz herzlich meiner Familie danken! Die haben von Anfang an zu mir gehalten, mich akzeptiert und nach Kräften unterstützt, waren immer für mich da, freuten sich über jeden noch so kleinen Fortschritt mit mir. Ich muß dazu erwähnen, daß ich das große Glück habe, eine eigene kleine Dachgeschoß-"Abteilung" im Hause von Schwägerin Marion und Bruder Ralf zu haben, was bedeutet, ich bin selbständig und habe meine Ruhe, bin aber nie einsam und es ist immer jemand für mich da - jederzeit! Auch jetzt nach der OP wird hier rundum für mich gesorgt, tragen geholfen, einkaufen gegangen, meine Haare gewaschen, sich stets nach meinem Befinden erkundigt - es ist einfach überwältigend. Tiefsten.

Respekt habe ich auch vor meiner Mutter Elisabeth. Denn die ist immerhin schon 61 (!) Jahre alt. Doch wie sagte sie es bei meiner Offenbarung vor ca. 2 Jahren so schön:
"Ich hab das gewußt. Als Mutter habe ich das einfach gefühlt." - (Ohne Worte) -

Na, ja, ich habe zwei ältere Schwestern (Monika und Barbara) und einen älteren Bruder. Die sind eben alle vor mir aufgewachsen und als ich dann langsam heranwuchs, war irgendwie alles nicht so wie bei den anderen . . . daher hat es wohl niemanden sonderlich aus den Socken gehauen. Trotzdem ist dieser Rückhalt aus der Familie von mir nie als selbstverständlich angenommen worden. Immer wieder höre ich von anderen Schicksalen, die als "einfach nicht mehr anerkennbar" ausgeschlossen werden. Dabei ändert sich doch nicht der Mensch - nur die Verpackung läßt er angleichen. Denn der Mensch hat die Ursache für seine Unzufriedenheit und oft auch Aggressivität gegenüber Menschen, die man liebt, erkannt und akzeptiert. Und sich zu einer künstlichen Angleichung entschlossen. Das bringt ihm selber so viel Erleichterung und Lebensfreude wieder zurück, die er gerne auf andere überträgt.
Und solche Menschen (nicht alle, aber die meisten), wissen das Leben an sich doch viel mehr zu schätzen und sind einfach nur glücklich, wenn sie gesund sind - nicht reich, schön, perfekt oder was sonst die Menschheit so im Allgemeinen "belastet". Und wir nehmen unser Gegenüber ohne Fragen so, wie er/sie/es eben ist - keiner hat sich selbst gemacht! Und das Leben kann auch (wieder) Spaß machen!! Danke an alle, die dies mit mir teilen!!

Philipp H.
surfingphilipp@web.de

zu Teil 2 "Hautmantelreduktion"

 


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